Christoph Meckel "Bildpost. 100 Briefe und Postkarten aus sechs Jahrzehnten"; © gutleut verlag
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Bild-Text-Band - Christoph Meckel: "bildpost - 100 briefe und postkarten aus sechs jahrzehnten"

Bewertung:

Aus Zeichnung und Schrift ist hier ein ästhetisches rundes Ganzes entstanden, voller Spontanität, Klabautergemüt und Augenblickswitz. Sieses großformatige Buch bietet Seite für Seite Betrachtungsgenuss pur.

Christoph Meckel, Jahrgang 1935, ist seit Jahrzehnten preisgekrönter  Schriftsteller und Poet, und er ist Zeichner und Grafiker. Er hat also zwei Hauptberufe, die er selbst immer als gleichberechtigt angesehen hat. Sein grafisches Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, und als Grafiker und Buchgestalter hat Christoph Meckel über die Jahrzehnte  auch aberdutzende Bücher von Kollegen illustriert, gestaltet, mitgeformt, etwa Bertolt Brechts "Hauspostille" 1966, Christa Reinigs "Die Ballade vom blutigen Bomme" 1972 oder Erich Arendts "Reise in die Provence" 1983. Und nun hat die Herausgeberin Martina Hanf in den Archiven Berlins und Marbachs oder bei Lebenden zusammengetragen, was der Brief- und Postkartenschreiber Christoph Meckel an kleinen Kunstwerken an Schriftstellerkollegen und -kolleginnen, Freunde und Bekannte geschickt hat, gezeichnet, gekritzelt, gestaltet hat.

Schriftsteller & Grafiker

Meckel selbst hat einmal behauptet, der Schriftsteller Christoph Meckel habe eine andere Biografie als der Grafiker Christoph Meckel. Das mag damit zusammenhängen, dass Meckels biografische Daten konstitutiver Bestandteil seines künstlerischen Werkes sind. Die Auseinandersetzung mit seinen Eltern hat den Schriftsteller Meckel miterschaffen, der Vater und dessen Generation in der Nazizeit, die Mutter, mit der Meckel offenbar stets in Auseinandersetzungen lebte.

Meckels grafisches Werk wiederum entfaltet sich um seine "Weltkomödie", ein "Epos in Bildern", das Christoph Meckel als exzellenten Grafiker und als Meister der Radierung zeigte. Und genau hier knüpft jetzt dieser furiose Bild-Briefband an und gibt gewissermaßen dem Publikum eine dritte Qualität Meckels zur Kenntnis, die des zutiefst poetischen Postkarten-und Briefeschreibers- und -zeichners.

Kunterbunte Zeichnungen

Der Titel "Bildpost" gibt schon gut Auskunft über die Machart, die Korrespondenz des Dichters Christoph Meckel aus einem halben Jahrhundert war bisher so noch nicht erschlossen. Was im Buch zu sehen ist, das sind Grüße, Nachfragen, kurze Mitteilungen, versehen mit kleinen und größeren Zeichnungen, in den Techniken Buntstift, Filzstift, Bleistift, Kugelschreiber, Ölkreide. Der Dichter Richard Pietrass hat im "Tagesspiegel" dafür den schönen Titel "Zugvogels Zwitscherzettel" erfunden, das trifft es schön. Die Zeichnungen muten mitunter fast kindlich an und sind oft kunterbunt, die Adressatenliste der Meckelschen Postkartenzeichnungen beinhaltet von Christa Wolf bis Natascha Ungeheuer alles, was zur deutschen Literatur-und Kunstszene gehört, fast wie in einem who is who.

Spielerische Kommunikation

Dieser Band zeigt den Poet Meckel in der für ihn typischen Kipp-Situation: Die auch handschriftlichen Texte nutzen den wenigen Raum und fügen sich der Zeichnung an, oder auch umgekehrt. Die Kommunikation von Bild und Text bleibt aber dabei im Spielerischen, und die Zeichnungen sind so angelegt, bei den Empfängern gute Laune auszulösen. Das älteste Fund-Stück der Herausgeberin Martina Hanf ist eine Postkarte von 1958 an Günter Bruno Fuchs, den sieben Jahre älteren Westberliner Malerpoeten. Den ästhetischen Gesamtreiz dieses Bandes spürt man gleich in dieser ersten abgebildeten Postkarte, sie zeigt einen elefantengezogenen Heuwagen, der an einem Glockenbaum vorüberfährt. Aus Zeichnung und Schrift ist hier ein ästhetisches rundes Ganzes entstanden, voller Spontanität, Klabautergemüt und Augenblickswitz, dieses großformatige Buch – mit einem leider allzu empfindlichen Einband – bietet Seite für Seite Betrachtungsgenuss pur.

Salli Sallmann, kulturradio

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