Julio Cortázar: Die Katzen | Los gatos; Montage: rbb
Lilienfeld Veralg
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Zum Wiederlesen empfohlen - Julio Cortázar: "Die Katzen | Los gatos"

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Eine der späten und wunderbaren Entdeckungen aus dem Nachlass des 1984 verstorbenen Julio Cortázar ist die Erzählung "Die Katzen". Endlich ist sie als Band 11 der Schriftenreihe der Kunststiftung NRW in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen.

Das spanische Original mitzuliefern war eine gute Idee: Cortázar ist ein Meister der Andeutung und des Mehrdeutigen, der seine Sätze in ähnlichen bis widersprüchlichen Interpretationsmöglichkeiten changieren lässt. Und das ist im Deutschen nur sehr schwer wiederzugeben.

Halbschatten des Begehrens

"Die Katzen" ist die Geschichte von Carlos María und seiner Cousine Marta, die als Kinder zusammen aufwachsen und sich als Jugendliche aneinander entdecken, einander ablehnend und suchend. Allerdings vermutet der Junge bald, dass Marta in Wahrheit seine Halbschwester ist. Doch die Eltern, die er mit seinem Verdacht konfrontiert, erzählen ihm eine andere, wenig plausible Geschichte.

Im mal verboten, mal doch wieder erlaubt scheinenden Halbschatten des Begehrens, aufgeladen mit Eifersucht und dem Wunsch nach Abgrenzung, werden die beiden unter einem Dach erwachsen, oftmals zankend wie Katzen. Aber Carlos María weiß, "dass Katzen unter dem Vollmond nicht zanken".

Cortázar schrieb diese Erzählung 1948, lange vor der "Rayuela", die ihn 1963 berühmt machte, und drei Jahre vor dem Erscheinen seines ersten Bandes mit Erzählungen, dem "Bestiarium".

Die kühne Verspieltheit, die originellen Experimente, die sein späteres Werk ausmachen, besitzt dieser frühe Text nicht. Sein Reiz liegt in seinen Figuren, die sich selbst und einander ein Rätsel und eine Selbstverständlichkeit zugleich sind.

"Die Katzen" gehören zu den "papeles inesperados", Papieren, die 25 Jahre nach Cortázars Tod gefunden und publiziert wurden. Im Original kann man sie im Internet herunterladen. Auch wenn sicher nicht alles davon hätte veröffentlicht werden müssen: Nach der Lektüre dieser Erzählung wünscht man sich jedenfalls, dass noch ein bisschen mehr auf Deutsch vorläge.

Katharina Döbler, kulturradio

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