Robert Barry: "Die Musik der Zukunft"; © Edition Tiamat
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Sachbuch - Robert Barry: "Die Musik der Zukunft"

Bewertung:

Mit seinen vielen Querverweisen ist das Buch ein anregendes Kompendium aller Visionen, Utopien und Science-Fiction Fantasien, die die Musik betreffen und stellt unseren technologischen Umgang mit Musik produktiv in Frage.

Wenn heute von Zukunft die Rede ist, dann geht es meist um Technik, um Computer, Arbeitswelt und Lebensformen, manchmal auch um Politik, aber fast nie um Musik. Der britische Popjournalist Robert Barry stößt mit historischen Utopien und reichlich Gegenwartskritik in diese Lücke.

Zukunftsentwürfe, verbunden mit Musik

Eine große Erwartung muss enttäuscht werden: Auch Robert Barry kann nicht in die Zukunft schauen. Er wagt lediglich einen winzigen Hinweis auf künftige Musik. Sie müsse unser Internet-Zeitalter aufnehmen und widerspiegeln. Das Buch kreist vielmehr um Zukunftsentwürfe, die in irgendeiner Weise mit Musik verbunden wurden und um Musiker, die in Schriften oder Vorträgen das Thema Zukunft berührt haben. Da Robert Barry keine verwegenen historischen Sprünge scheut, von außen auf die klassische Musik blickt und eine flüssige Schreibe hat, ist das Buch dennoch ein Gewinn.

Ausgangspunkt Oper

Robert Barrys Ausgangspunkt ist die Oper. Sie ist für ihn das utopische Musikgenre schlechthin. Über das Vehikel Oper lassen sich soziale Utopien des frühen 19. Jahrhunderts mit Wagners "Kunstwerk der Zukunft" verbinden, ebenso wie die italienischen Futuristen mit Stockhausen. Eine wichtige Rolle spielt ein Vortrag von György Ligeti von 1961 zur Zukunft der Musik. In diesem Vortrag hat Ligeti zehn Minuten lang lang geschwiegen und einen kleinen Skandal verursacht. Dieses Schweigen hallt in dem Buch noch lange nach als Geste der Verweigerung aber auch der Öffnung der Sinne.

Industrielle Utopie

Es ist erstaunlich, wie viele Zukunftsvorstellungen von vor etwa 100 Jahren heute unseren Alltag bestimmen. Musik kommt wie aus Wasserleitungen ganz selbstverständlich in die Wohnung oder in den Kopfhörer und dient konkreten Stimulierungszwecken wie dem Aufwachen oder Einschlafen. So hat sich eine industrielle Utopie realisiert. Mit seinen vielen Querverweisen ist das Buch ein anregendes Kompendium aller Visionen, Utopien und Science-Fiction Fantasien, die die Musik betreffen und stellt unseren technologischen Umgang mit Musik produktiv in Frage.

Dirk Hühner, kulturradio

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