Arthur Koestler: Sonnenfinsternis © Elsinor Verlag
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Roman - Arthur Koestler: "Sonnenfinsternis"

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Der Roman Sonnenfinsternis, erschienen erstmals 1940 in England, 1948 in Deutschland, erlebte im Kalten Krieg riesige Auflagen. Und noch zu Zeiten der Entspannungspolitik schlugen dogmatische und undogmatische Linke einander die Köpfe damit ein.

Inzwischen ist das Buch fast vergessen. Überlegungen zur Ethik der Revolution und totalitärer Politik sind nicht gerade die brennendsten Themen der Zeit. Der sensationelle Fund des verschollenen Originalmanuskripts hat erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erregt.

Bislang diente eine unzulängliche englische Version als Grundlage sämtlicher Ausgaben weltweit, denn Koestler hatte sein Skript bei der überstürzten Flucht aus Paris 1940 nicht mitnehmen können. Seiner englischen Freundin Daphne Hardy gelang es jedoch in letzter Minute, ihre Übersetzung aus dem besetzten Frankreich nach England zu schaffen

Koestler schrieb den Roman vor dem Hintergrund der Moskauer Schauprozesse von 1936-38, die ihn selbst zum Austritt aus der KPD bewogen hatten.

Koestler schildert meisterhaft die totalitäre Dialektik

Warum gestanden die Männer der einstigen Führungsriege der KP wie Bucharin und Radek vor Gericht die absurdesten Verbrechen und lieferten öffentlich erlogene Begründungen für die eigene Hinrichtung? Koestler hatte die beiden persönlich gekannt - und er kannte auch die unerbittliche Logik der Partei, die sich, da sie ja die Geschichte repräsentierte, niemals irren konnte.

Hauptfigur seines Romans ist der – fiktive - Volkskommissar Rubaschow, der im Gefängnis mit sich selbst konfrontieren muss, mit dem, was er die grammatikalische Fiktion der Ersten Person nennt, seiner ganz persönlichen Verantwortung für die im Namen des großen WIR der Partei begangenen Verbrechen. Er fühlt sich schuldig, er ist bereit zu bezahlen – aber eben für andere Vergehen, als die, die man ihm vorwirft.

Koestler schildert meisterhaft die totalitäre Dialektik, in der Rubaschow und seine Untersuchungsrichter befangen sind. Mit Argumenten, Manipulationen, psychischem Druck und vor allem mit dem Appell an die Treue zu Partei, zu der es für keinen von ihnen eine denkbare Alternative gibt, fügt sich Rubaschow. Er ist und bleibt, wie seine Richter, befangen in einem abstrakt utilitaristischen Denken, in dem der Mensch nur als Plural, als Masse vorkommen darf.

Zeitgemäß, lohnenswert

Und damit ist dieses Buch nicht so unzeitgemäß wie man annehmen könnte: Die Frage nach Verantwortung und Beteiligung des Individuums an den herrschenden Zuständen wird nie aufhören akut zu sein. Es lohnt es sich, diesen Klassiker der Totalitarismuskritik in der Urfassung zu lesen – und die Bezüge zur Gegenwart darin zu suchen.

Katharina Döbler, kulturradio

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