Simone Klabin: "Food & Drink Infographics. A Visual Guide to Culinary Pleasures"; Montage: rbb
Taschen
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Buch - Simone Klabin: "Food & Drink Infographics. A Visual Guide to Culinary Pleasures"

Bewertung:

Eine farbenfrohe Bilderreise quer durch alle Nahrungs- und Genussmittel, die nebenher mit jeder Menge praktischer Tipps für Genussmenschen und Küchenhobbyisten aufwartet.

Seit einiger Zeit schon werden sehr gern und ebenso erfolgreich komplexe Zusammenhänge als informative Grafik dargestellt. Wöchentlich in der "Zeit", aber längst gibt es auch Bücher in dieser Darstellungsart und zwar zu nahezu allen Themen. Da lag es in der Luft, dass es auch eines Tages Infografiken zum Essen, Trinken und Kochen zwischen zwei Buchdeckel schaffen werden.

Nun geschehen im Taschen Verlag und ich hatte bisher schon sehr viel Vergnügen mit diesem Buch und weil man da immer wieder hineinschauen wird, bleibt das sicherlich erhalten. Zunächst war ich auch etwas verwundert, warum ich Rezepte oder die Herkunft von Käsesorten nunmehr als Infografik wahrnehmen soll.

Geistreich durch die Welt von Essen und Trinken

Aber es ist ja tatsächlich so, dass die Visualisierung von Daten ein sehr effizientes Kommunikationsmittel sein kann, auch über Sprachgrenzen hinweg. Wenn eine Infografik gut gemacht ist, kann sie Strukturen, Abläufe oder Methoden in einem Bild klarmachen und man wundert sich, warum andere so viele Worte brauchen für denselben Sachverhalt. Das ist schon faszinierend und bringt mitunter eine andere Sorte von Erkenntnisgewinn.

Das ist in diesem durchaus schwergewichtigen Buch mit den 460 großen Seiten oft der Fall. Hinzu kommt noch das Spielerische, das Witzige, auch das Ironische, das ich in vielen dieser Infografiken entdeckt habe.

Und dabei geht es sehr geistreich durch die Welt von Essen und Trinken. Es werden auch ein paar Fragen beantwortet, auf die man nie gekommen wäre. Es ist eine farbenfrohe Bilderreise quer durch alle Nahrungs- und Genussmittel, nebenher mit jeder Menge praktischer Tipps für Genussmenschen und Küchenhobbyisten.

Da hab ich z.B. etwas sehr spannendes gefunden. Basierend auf einer damals noch nicht Infografik genannten Darstellung aus dem Jahr 1732 und bezogen auf ein königliches Dinner wird das Thema behandelt, wie man für ein größeres Fest die Menge an Getränken und Speisen berechnet.

Die Kurzfassung: eine Flasche Wein für zwei Personen in zwei Stunden, zwei Flaschen Bier pro Person für die erste Stunde und eine Flasche Bier pro Person für die darauffolgenden Stunden, ein Liter Wasser für jeweils drei Gäste usw. Die Grafik dazu zeigt Kästchen, ähnlich einer mathematischen Gleichung, man trägt die Stunden ein, wie lange das Dinner dauern soll, dann noch die Zahl der Gäste und multipliziert damit und kommt damit auf die Anzahl der Getränke. 

Ein ganz anderes Beispiel. Eine Grafik aus dem Jahr 1940 - auch aus England - zu dem Thema, wie man die letzten paar Zentimeter seines Brotes am besten so aufschneidet, das es noch fast frisch schmeckt. Das ist ein gezeichnetes Poster, herausgegeben vom  britischen Ernährungsministerium. Soll ich's verraten? Der Brotkanten wird mit der Schnittfläche aufs Brett gelegt und dann werden längs die quasi halben Scheiben geschnitten, die dann auch nur wenig Rand haben.

An diesem Beispiel ist schon zu sehen, dass der Begriff der Infografik hier durchaus weit gefasst wird, sowohl was die Art der Darstellung wie auch den historischen Zusammenhang angeht.

Infografiken zum Schmunzeln

Und darin liegt ein großer Reiz des Buches. Es geht rund um die Welt und die Speisen und durch die Zeiten. Natürlich sieht eine Infografik, die einzelne Aroma- und Geschmacksmoleküle von verschiedenen Speisen darstellt ganz anders aus als eine Grafik, die die Inhalte von ca. 30 Cocktails im jeweiligen Mengenverhältnis und im entsprechenden Glas zum Thema hat.

Und spannend ist auch der Blick in die Vergangenheit und die ganz unterschiedlichen Versuche, auch aufklärerisch und ernährungsbewusst Kenntnisse zu vermitteln, eben in der Form von Plakaten oder Beipackzetteln.

Das einzelne Lebensmittel, auch das Essen selbst stehen im Zentrum, nichts ist selbstverständlich, jedes Ei sieht anders aus und was wir essen ist durch einen kulturgeschichtlichen Hintergrund geprägt.

Und da macht es schon Spaß, zu sehen, wie visuelle Darstellungen komplexe Informationen zu all diesen Themen verdichten, manchmal auch unkonventionell verdichten, damit auch schneller erfassbar machen und einem trotzdem oder gerade deshalb oft schmunzeln lassen. Mein Lieblingsbeispiel ist das Rezept für Mousse Chocolate – gezeichnet in sieben kleinen Grafiken, da kann nichts mehr schief gehen.

Danuta Görnandt, kulturradio

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