Natalie Buchholz: "Der rote Swimmingpool"; Montage: rbb
Hanser Berlin
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Roman - Natalie Buchholz: "Der rote Swimmingpool"

Bewertung:

Man möchte das Buch einer großen Familie schenken, die zusammen in Urlaub fährt. Großeltern, Eltern und halbwüchsige Kinder, die leicht gereizt und von allem genervt sind. Von dieser Geschichte werden alle etwas haben.

Adam steht kurz vorm Abi. Die Schule ist für ihn kein großes Problem, eher sein zweiter Stundenplan am Nachmittag: Er betreut alte pflegebedürftige Menschen. Ein Gericht hat ihn zu 120 Stunden Sozialarbeit verurteilt. Keine leichte Arbeit, das Waschen und Füttern, aber mit einer alten Frau versteht er sich recht gut und immer besser, seit er auch ihre Urenkelin Tina kennengelernt hat.

Ein Kennenlernen im Vor-und-zurück-Tempo. Auch sein bester Freund findet Tina aufregend. Er produziert sich mächtig und stichelt, ob Tina nicht wissen will, warum denn Adam ihre Uroma pflegt, ob sie nicht neugierig ist, was er verbrochen hat.

Die schreckliche Vorgeschichte

Adam hat etwas angerichtet, nachdem sich seine Eltern getrennt haben. Jahrelang galten die Eltern als Traumpaar: die sportliche französische Mutter, der aufmerksame und witzige Vater, der im Garten einen rotgekachelten Swimmingpool anlegt. Keiner von Adams Freunden hat so harmonische Familienverhältnisse - bis auch diese Ehe zerbricht. Der Junge spürt längst die schlechte Stimmung, aber keiner sagt ihm, was los ist. Beide Elternteile sind so mit dem eigenen Kummer beschäftigt, dass Adam schließlich das Gefühl hat, sein Vater habe nicht nur seine Mutter verlassen, sondern auch ihn.

Einmal ist Adam abends so sturzbetrunken, dass er aus Versehen nicht nach Hause in seine neue WG geht, sondern in sein altes Elternhaus quasi eindringt, in dem sein Vater und dessen neue Freundin tief schlafen. Und da beginnt das Drama, das Haus ist am nächsten Tag nicht mehr bewohnbar.

Spannung mit Cliffhängern

Die Geschichte ist gut erzählt, man will unbedingt wissen, was der Junge angestellt hat, was also in der Vergangenheit war. Immer, wenn das gleich rauskommen müsste, geht es in der Gegenwart weiter mit der Liebesgeschichte und Tina. Und auch die ist spannungsgeladen.

Die Autorin beschreibt kleine Nebensachen so, dass sie etwas über das große Ganze aussagen. Zum Beispiel klatscht die französische Mutter begeistert in die Hände, mit weit gespreizten Fingern, wie es heißt. Das ist ein so verkrampftes Klatschen, man ahnt, hier stimmt was nicht.

Oder: Adam riecht ständig an seinen Achseln. Es ist spürbar, wie unsicher er  in seiner Haut ist, wie er fürchtet, der begehrten Tina nicht zu genügen. Lauter Beklemmungen und Verklemmungen. Die Personen sind so konturiert, dass man sie sieht wie in einem Film.

Der erste Roman

Die Autorin Natalie Buchholz ist eigentlich Lektorin, sie arbeitet seit vielen Jahren in großen Verlagen. Man merkt, dass sie vom Fach ist. Eines ist ihr trotzdem durchgerutscht: manchmal benutzt der jugendliche Adam altertümliche Formulierungen. Seine Therapeutin hat ein Gesicht, das "so rund und rosig ist, dass man hineinbeißen möchte, wie in einen frisch gepflückten Pfirsich" - wer sagt denn sowas mit 17, 18.

Lektüre für eine Großfamilie

Man möchte das Buch einer großen Familie schenken, die zusammen in den Urlaub fährt. Großeltern, Eltern und halbwüchsige Kinder, die leicht gereizt und von allem genervt sind. Von dieser Geschichte werden alle etwas haben. Der unerwartete Clou zum Schluss könnte lebhafte Diskussionen provozieren.

Claudia Ingenhoven, kulturradio

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