Thomas Bernhard: Alte Meister; Montage: rbb
Suhrkamp
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Zum Wiederlesen empfohlen - Thomas Bernhard: "Alte Meister"

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Ein Prosatext, der sich als "Komödie" bezeichnet. Aber eigentlich eine Tirade ist. Eine Tirade, für die Bernhard so geschätzt wird.

So ziemlich alle Jahre wieder läuft er im Theater, der Wutanfall von Thomas Bernhard, der sich gegen Wien und seine Bewohner, das Burgenland und seine Bewohner, gegen Österreich überhaupt, gegen den versauten Charakter des Österreichers allgemein und seine Aborte im besonderen, gegen seine Kultur, gegen Kunstgeschwätz generell und schlechte Kunst, insbesondere die Mona Lisa, richtet – sowie gegen die Presse und die Russen und das Leben mit seinen einem sensiblen Menschen nicht zumutbaren Gemeinheiten schlechthin.

Nun ist es in Berlin wieder einmal soweit. Im Deutschen Theater wird die berühmte Tirade aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum von der Bühne zu vernehmen sein und das ist ein guter Grund, sich den dramaturgisch unbearbeiteten Prosa-Originaltext vorzunehmen.

Herr Reger, der berühmte alte Kritiker der New York Times, der in Österreich völlig unbekannt ist und sein Echo, der ihm zutiefst ergebene Museumswärter Irrsigler, liefern dem Erzähler Atzbacher das Material in Form ihrer Biografien und Reden.

"Entsetzlich"

Erst ist Atzbacher nur Beobachter, der seinen Freund Reger auf seinem 30-jährigen nahezu täglichen Stammplatz betrachtet: einer großen Bank im (fiktiven) Bordone-Saal vor dem "Weißbärtigen Mann" von Tintoretto, wo ihn der "Staatstote" Irrsigler umschleicht.

Dann trifft Atzbacher mit Reger zusammen, was die Gelegenheit zu Äußerungen des Widerwillens noch einmal vervielfältigt – und zum Ende und Höhepunkt gehen die beiden gemeinsam in eine Vorstellung von Kleists "Zerbrochenem Krug", dem bekanntlich "besten deutschen Lustspiel" im Burgtheater, der bekanntlich "ersten Bühne der Welt". Natürlich ist die Vorstellung "entsetzlich".

Das Buch mit seinem sprachlich edel gewandeten Weltekel und seiner kulturellen Arroganz gilt unter literaturaffinen Menschen als ein unbedingt gelesen-zu-Habendes. Als Fuge wird es bezeichnet, es gilt als große schwarze Kunst.

Ich frage mich, zu was für Tiraden Bernhard selbst solche bildungsbürgerliche Anhänglichkeit inspiriert hätte – und wie er seine eigene Kanonisierung kommentiert hätte.

Katharina Döbler, kulturradio

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