Jan Brandt: Der magische Adventskalender; Montage: rbb
DuMont
Bild: DuMont Download (mp3, 4 MB)

Erzählung - Jan Brandt: "Der magische Adventskalender"

Bewertung:

Lebkuchen und Marzipankugeln liegen schon lange in den Regalen, deswegen kann man diese bezaubernde Weihnachtsgeschichte auch ruhig jetzt schon lesen. Oder man bewahrt sich die Lektüre dieser "Kindergeschichte in Zeiten der Kälte" für die Adventswochen auf.

Jonas Klaassen wohnt mit Vater und Schwester in Ravenhagen, der "Stadt der Frühaufsteher". Mit diesem Slogan hatte der Bürgermeister die letzte Wahl gewonnen. Der Junge gehört jedoch nicht zu den fixen Morgenmenschen, er ist ein Träumer – und ein Egoist, der seiner kleinen Schwester beim Frühstück den "Stutenkerl" wegisst und ihre Milch austrinkt.

Er denkt nie an andere, behält beim Martinssingen die Süßigkeiten für sich, kommt regelmäßig zu spät zur Schule, faltet im Unterricht Papierflieger und im Klassenbuch stehen "unter der Rubrik Betragen neben seinem Namen Blitze (..), Dutzende Blitze – und keine einzige Sonne, kein einziger Stern."

Der Junge ist ein ängstlicher Einzelgänger, der sich zu Recht vor einem älteren gewalttätigen Mitschüler fürchtet. Er mag keine Hunde, hat keine Freunde und die Nachbarn sind ihm unheimlich.

Und dann findet er auf der Straße den titelgebenden Adventskalender, der aus ihm nicht nur einen Detektiv macht, der sich mit anderen Menschen beschäftigen und hinter ihr Geheimnis kommen muss. Er kann auch die Maxime seiner Lehrerin, wonach man sich stets an Fakten halten und allein seinen fünf Sinnen vertrauen müsse, nicht mehr beherzigen.

Plötzlich steht nämlich ein winziger Mann auf seinem Nachttisch, und dass der Nackthund, den er so verabscheut, sprechen kann, daran besteht ebenso wenig ein Zweifel wie an der Tatsache, dass er wie Alice im Wunderland selber auf Miniaturformat schrumpft und sich plötzlich in den verwirrenden Gängen des Adventskalenders wiederfindet. Da hilft nur ein richtiger Rätselspruch heraus.

Jan Brandt erzählt leichthändig und phantasievoll von kindlicher Einsamkeit und rätselhaften Ereignissen. Und wer das Staunen nicht verlernt hat, folgt dem Geheimnis des magischen Adventskalenders voller Vergnügen.

Ein –  im wahren Sinn des Wortes – wundervolles Buch für Kinder und Erwachsene.

Manuela Reichart, kulturradio

Weitere Rezensionen

Natascha Wodin: "Irgendwo in diesem Dunkel"; Montage: rbb
Rowohlt

Vater-Buch - Natascha Wodin: "Irgendwo in diesem Dunkel"

Für "Sie kam aus Mariupol" erhielt Natascha Wodin 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse. Darin begab sich die 1945 in Fürth als Tochter sowjetischer Zwangsarbeiter geborene Autorin auf die Spur ihrer Mutter, die sich 1956 das Leben genommen hatte. In ihrem aktuellen Buch schreibt Natascha Wodin über ihren gewalttätigen und unberechenbaren Vater.