Tobias Bleek und Ulrich Mosch: Musik. Ein Streifzug durch 12 Jahrhunderte © Bärenreiter
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Sachbuch - Tobias Bleek und Ulrich Mosch: "Musik. Ein Streifzug durch 12 Jahrhunderte"

Bewertung:

1200 Jahre Musikgeschichte auf knapp 400 Seiten, kann das gelingen? Mittels Schlaglichter wollen die beiden Musikwissenschaftler Tobias Bleek und Ulrich Mosch neue Einblicke in die Geschichte der Musik gewähren. Eine Rezension von Dirk Hühner.

Leicht verständliches Wissen in kleinen Portionen ist ein großer Trend derzeit und auch die Musik macht davor nicht Halt. Knapp 200 Schlaglicht-Artikel von der Antike bis zum Internetzeitalter verknüpfen die Musik mit Medien, Gesellschaft und Politik und gehen weit über eine Aneinanderreihung von Wissenshäppchen hinaus.

Der schwergewichtige Band, der sich mit leichtem Understatement "Ein Streifzug" nennt, ist konsequent vom Leser her gedacht. Jedem Thema ist jeweils eine graphisch ansprechend gestaltete und bebilderte Doppelseite gewidmet. In Kürze und ohne unzulässige Vereinfachungen erfährt man alles Wichtige. Dem Autorenteam gelingt es, ganze Epochen kurz zu charakterisieren und durch die originelle Auswahl der Themen die Vielfalt der Musikgeschichte aufzuzeigen.

Viele Dimensionen der Musik

Geschichte wird hier nicht als zusammenhängende Erzählung begriffen, sondern als Nacheinander von Personen, Ereignissen und Zeitströmungen. Populäre Musikformen wie der Jazz und die Popmusik stehen da ganz unvermittelt neben Stockhausen und der Minimial Music. Ein Kunstgriff des Buches ist der Verzicht auf die traditionellen Epochengrenzen wie Klassik und Romantik. Die rein chronologische Sortierung nach Jahrhunderten löst sich von diesem Raster und schafft eine neue Offenheit. Die Darstellung von Beethoven zum Beispiel bezieht die Erfindung der Taschenpartituren genauso mit ein wie den Mythos und die Skizzenbücher und lenkt daher den Blick eher auf die Umstände und die Folgen des Schaffens als auf die Biografie.

Wie bei jeder Geschichtsschreibung fehlen einige Namen wie Puccini, Dvorak oder die Rolling Stones, was aber dadurch ausgeglichen wird, dass man immer wieder mit echtem Erkenntnisgewinn auf unbekanntere Namen stößt. So bekommt der blinde Organist Conrad Paumann aus dem 15. Jahrhundert genauso eine Doppelseite wie der Musikwissenschaftler Hugo Adler oder der Instrumentenerfinder Adolphe Sax. Die vielen Dimensionen der Musik werden so nicht nur aufgefächert, sondern auch erklärt und dem Leser zur weiteren Beschäftigung ans Herz gelegt.

Dirk Hühner, kulturradio