Cornelius Frowein: Aufführungspraxis kompakt © Bärenreiter
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Musikbuch - Cornelius Frowein: "Aufführungspraxis kompakt"

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Gerade in der Vorweihnachtszeit wird gerne Barockes musiziert. Leider haben die Komponisten von Bach bis Vivaldi keine genauen Spielanweisungen hinterlassen und so rätseln Profis wie Laien nicht selten über Tempi und Triller. Cornelius Frowein will dem nun Abhilfe schaffen.

Cornelius Frowein kommt aus der Praxis – er ist Dirigent und Pianist – und er schreibt ausdrücklich für die Praxis. Ihm geht es darum, auch für ambitionierte Laien die wichtigsten Regeln und Vorstellungen des 18. Jahrhunderts so aufzubereiten, dass sie auch ohne langes Studium klar werden. Dabei beschränkt er sich ausdrücklich auf die Instrumentalmusik und kann so einen wirklich kompakten Durchgang durch die Musikästhetik und -praxis anbieten.

Grundlage sind die wichtigsten theoretischen und praktischen Schriften des 18. Jahrhunderts, die Frowein systematisch neu zusammenstellt: Vor allem die Instrumentalschulen von Leopold Mozart, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Joachim Quantz und Daniel Gottlob Türk. Und als Theoretiker kommt immer wieder Johann Mattheson zu Wort. Aufgeteilt ist das Buch in sechs Kapitel. Im ersten werden die Grundlagen der Ästhetik erklärt wie die Affektenlehre oder Rhetorik. Dann folgen fünf praktische Kapitel, in denen es um die Behandlung von einzelnen Tönen bis hin zum Triller geht, aber auch um Tänze und Rhythmen. Die einzelnen Beispiele, meist mit Noten dazu, gehen ins Detail und vermitteln einen Eindruck von den zum Teil auch widersprüchlichen ästhetischen Vorstellungen des 18. Jahrhunderts. Das ist immer hilfreich, führt aber bei der Liste der Tonarten in die schiere Vergeblichkeit jeder Definition. Zum Beispiel wird e-Moll als die Tonart sowohl für "Betrübnis und Schmerz" als auch für "naive, weibliche, unschuldige Liebeserklärung" beschrieben.

Frowein gelingt es sehr gut, die Grundlagen für das Musizieren im 18. Jahrhundert aufzuschlüsseln, wobei der Affekt, heute würde man eher sagen die Emotion, im Vordergrund steht. So funktioniert das Buch sowohl als Einführung, vor allem im ersten Teil, als auch als Nachschlagewerk für die schnelle Orientierung. Dass sich die historischen Gelehrten gerne auch mal widersprechen, schärft am Ende die eigne Urteilskraft und kann den Genuss an der Musik schließlich noch erhöhen.

Dirk Hühner, kulturradio

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Wie es sich so lebt in Brandenburg, davon handeln ja eine Menge unterschiedlicher Bücher. Okay, jetzt auch noch Sarah Kuttner.

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