Friedo Lampe: Septembergewitter © Milena Verlag
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Belletristik - Friedo Lampe: "Septembergewitter"

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Es gibt Bücher, die es nie in den Literaturkanon geschafft haben, und trotzdem immer wieder aufgelegt, begeistert begrüßt und dann wieder vergessen werden. So eines ist "Septembergewitter", eine Novelle, die 1937 erschien und völlig unterging.

"Ich habe Pech mit meinen Büchern", stellte Friedo Lampe (1899 – 1945) völlig zu Recht fest. Sein größter Roman "Am Rande der Nacht" wurde – vermutlich wegen homoerotischer Inhalte – 1933 von den Nazis verboten, seine Erzählungen standen allzu quer zum Zeitgeist.

Er selbst ist ebenfalls nahezu vergessen; aber man kann sich vorstellen, dass er, wäre er bei Kriegsende nicht als Zivilist von russischen Soldaten erschossen worden, es noch zu einigem Ruhm gebracht hätte.

Es wird eine Geschichte

Denn "Septembergewitter" ist ein außergewöhnliches Buch, fast wie ein geschriebener Film, aber für ein bloßes Drehbuch sprachlich doch zu raffiniert, zu hintergründig. Es beginnt mit einer Ballonfahrt über die norddeutsche Tiefebene: Ein Däne und seine Tochter fliegen aufgrund einer Wette mit dem Ballon nach Hause. (In der ursprünglichen Fassung waren es Engländer, was allerdings 1937 kaum durchgegangen wäre. Lampe passte auch an anderen Stellen den Text den, nun ja, "Anforderungen" der Nazizeit an.)

Von oben betrachtet sieht die Stadt am Fluss (gemeint ist Bremen, Lampes Heimat) sehr idyllisch aus. Aber dann begibt sich die Erzählung auf die Erde, hinein in einen schwülheißen Sommertag. Da sitzt eine schwarzgekleidete Frau auf einer Friedhofsbank, zwei kleine Mädchen basteln einen Drachen, ein Totengräber schaufelt ein Grab, eine Jungenbande trifft sich im Schwimmbad, Soldaten exerzieren, ein Organist spielt traurige und aufwühlende Improvisationen, ein Dichter träumt von der Antike und der männlichen Schönheit des Odysseus. Während ein Gewitter aufzieht, verbinden sich die einzelnen Szenen zu einer Geschichte: Eine junge Frau wurde ermordet, der Schuldige nicht gefunden, die Stadt ist aufgewühlt. Die Jungen suchen den Täter, es steht Unheil bevor.

Ein Buch zur deutschen Geschichte

Und das ist nicht nur meteorologisch gemeint. Lampe hat in seinem kurzen und anspielungsreichen Text sehr viel von der Stimmung der 1930er Jahre eingefangen. Seine Schilderung eines kampfes- und todessüchtigen Leutnants und sein Verhältnis zu den nicht minder kriegerischen Jungen lässt einen Schaudern, ebenso die hintergründige Schilderung der Ermordeten als einer dem Naziideal entsprechenden Heroine.

Dieses Buch wirkt lange nach. Seine kurzen Szenen, überblendet und gegengeschnitten, fügen sich im Kopf der Leserin zu einem moralisch-ästhetischen historischen Gesellschaftsporträt. Es ist eigentlich ein Buch zur deutschen Geschichte, das sich als Krimi durch die Zensur geschmuggelt hat. Und es wartet immer noch auf die Aufnahme in den Kanon.

Katharina Döbler, kulturradio

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