Katherine Mansfield: Fliegen, tanzen, wirbeln, beben © Manesse Verlag
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Memoiren - Katherine Mansfield: "Fliegen, tanzen, wirbeln, beben"

Bewertung:

"Vignetten eines Frauenlebens 1903 bis 1922": So klassifiziert der Verlag das Buch mit einer Auswahl persönlicher Notizen der Schriftstellerin Katherine Mansfield. Katharina Döbler hat es für uns gelesen.

Katherine Mansfield war eine phantastische Erzählerin, eine überaus genaue und überaus schonungslose Beobachterin, die virtuos und draufgängerisch mit Sprache umging und ihrer Zeitgenossin und kurzzeitigen Freundin Virginia Woolf ebenbürtig war.

Aber mit diesem Titel wird sie dem Publikum als Frau präsentiert, die ein paar Dinge an den Rand kritzelte; und damit fallen ihre Aufzeichnungen in die nach Mottenpulver riechende Schublade Frauenliteratur. Nichts für echte Kerle.

Kritische Haltung gegenüber der Rolle einer Ehefrau

Dabei verstieß die Bankierstochter Mansfield, die 1923 im Alter von 34 Jahren starb, gegen so ziemlich alle Regeln, die zu ihrer Zeit (und zum Teil auch heute) für Frauen galten: ein höchst unorthodoxes Liebes- und Beziehungsgeflecht mit Männern, mit Frauen, mit mehreren gleichzeitig; nie ein Zuhause, kein Besitz (sie wurde enterbt), keine Kinder; und eine ausnehmend kritische Haltung gegenüber der Rolle einer Ehefrau und Mutter.

All dies spiegelt sich in ihren Erzählungen, zum Teil in Formulierungen, die einem den Atem stocken lassen. "Und Gott betrachtete die Fliege, die in den Milchkrug gefallen war, und sah, dass es gut war.“ Und die kleinsten Englein, die sich an Unglück weiden, schlagen ihre Silberharfen und gellen.

Die Wurzeln der Erzählungen

Das notierte sie am 31. Dezember 1918 um 16 Uhr 45 knapp und böse in ihr Notizbuch. Der vorliegende kleine Band versammelt nur einen kleinen Teil ihrer nachgelassenen Aufzeichnungen, die teils aus Tagebuchnotizen, teils aus literarischen Skizzen bestehen, manchmal auch aus beidem, eins aus dem andern sich ergebend.

Ihr jahrelanger Kampf mit ihrer tödlichen Krankheit, ihre Ambivalenz gegenüber engsten Freunden, ihre hohen Anforderungen an sich selbst, ihre Lust an Worten, ihr Witz und ihre Zuflucht vor der Welt im Schreiben: Katherine Mansfield hat das alles hier offengelegt. Ihre Leser werden die Wurzeln ihrer großen Erzählungen darin entdecken. 

Katharina Döbler, kulturradio