Anthony Burgess: Jetzt ein Tiger © Elsinor Verlag
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Belletristik - Anthony Burgess: "Jetzt ein Tiger"

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1954 kam Anthony Burgess (1917-1993) als Lehrer beim British Colonial Service nach Malaya. Dort erlebte er die Schlussphase des Britischen Empire. Vor diesem Hintergund spielt die Geschichte des Romans "Jetzt ein Tiger", der 1956 als erster Teil der Malaya-Trilogie erschien. Burgess' Roman liegt nun in einer Übersetzung von Ludger Toksdorf vor.

Anthony Burgess ist weltberühmt als Autor des Buches  "Clockwork Orange". Vielleicht kennt man hierzulande noch sein offizielles Hauptwerk "Fürst der Phantome". Dabei hat er über 50 Bücher geschrieben und war zudem ein recht produktiver Komponist. Denn eigentlich hatte der 1917 geborene Brite Musik studieren wollen; als er an der Hochschule abgelehnt wurde, verlegte er sich auf die Literatur, wurde zunächst Lehrer und entfloh Anfang der 1950er Jahre dem kalten und ärmlichen Nachkriegs-England in die britische Kolonie Malaya.

Zu dieser Zeit gab es das Empire schon nicht mehr; die malaiische Föderation war ein letzter Überrest und bereits auf dem Weg in die Unabhängigkeit.

Ständige Drohung

Burgess war in Kuala Pangsar als Lehrer tätig und fiel bald wegen seines unkonventionellen Verhaltens und Denkens in Ungnade. Davon erzählte er in seinem ersten Roman "Time for a Tiger", dem später noch die zwei weiteren Bände der Malaya-Trilogie folgen sollten. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen der Schweralkoholiker Nabby Adams, ein britischer Polizeileutnant, der keinen Tag ohne zahlreiche Tiger-Biere übersteht, und Victor Crabbe, Geschichtslehrer an einer Eliteschule, die als "Eton des Ostens" gilt.

Um die beiden herum gruppiert Burgess einen Kreis von Freunden, Kollegen, Beamten, Feinden, Spinnern, Soldaten und Philosophen. Zwar haben die Malaien, Chinesen, Inder und Briten allerlei Verständigungsprobleme sprachlicher wie kulturelle Arbeit, aber irgendwie leben und arbeiten sie zusammen, mal mit-, mal gegeneinander. In der Provinz ist der bewaffnete kommunistische Widerstand gegen das Übergangsregime aktiv, so dass für die Weißen und die Reichen eine ständige Drohung in der Luft liegt.

Der göttliche Plan

Burgess schildert den Alltag in der tropischen Kolonie mit großer Zuneigung zu Land und Leuten; die Gepflogenheiten und Überzeugungen der weißen Herren nimmt er mit bissigem Sarkasmus aufs Korn und charakterisiert und typisiert mit ausgeprägtem Gespür für das Bizarre die ethnische Aufteilung von Kompetenzen: Chinesen sind zuständig für Handel, Inder für Technik, Malaien für Landwirtschaft und Schönheit.

Dieses frühe Werk, geschrieben vor dem Aufkommen politisch korrekter Ausdrucksweise, garniert mit zahlreichen malaiischen, indischen und arabischen Brocken besitzt bereits  den flirrenden Charakter, den das gesamte Werk des Katholiken Burgess auszeichnets: Es ist zugleich unterhaltsam, komisch und von tiefem Ernst, wenn es um ethische Fragen geht. Manchmal gelingt es ihm, in einer einzigen Passage beides zugleich unterzubringen: etwa wenn der indische Mechaniker und der englische Lehrer miteinander in zwei verschiedenen Sprachen über Platon sprechen und zu dem Schluss kommen, dass der göttliche Plan eines Verbrennungsmotors vollkommen sei.

Katharina Döbler, kulturradio  

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