Ingo Meyer: Frank Zappa © Reclam
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Biografie - Ingo Meyer: "Frank Zappa"

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Frank Zappa hat wie kaum ein anderer Musiker die Welt in Fans und Verächter gespalten. Den einen gilt er als ultimativer Bürgerschreck, den anderen als angestrengter Möchtegern-Avantgardist. Die Reihe "100 Seiten" unternimmt nun den Versuch einer knappen und analytischen Einordung.

Anlässlich des 25. Todestags im Dezember hat sich der Literaturwissenschaftler Ingo Meyer eingehend mit Frank Zappa beschäftigt. Er verbindet seine eigenen Erfahrungen beim Plattensammeln mit genauer Analyse. Nur ein Viertel des Buchs verwendet er auf die Biografie. Von der ersten Begegnung mit der Musik von Varese und Strawinsky über diverse Bandgründungen in Kalifornien bis zu Studioprojekten und Orchesterpartituren skizziert Meyer den Weg eines besessenen Künstlers, der weder sich noch andere schont. Bilder, Zitate und eine Grafik über die verschiedenen Band-Besetzungen machen die Darstellung plastisch.

Bei der Analyse des unglaublich vielfältigen Schaffens von Zappa geht Ingo Meyer systematisch vor. Er arbeitet Aspekte wie Komplexität, Gitarrenspiel und Jazz heraus und lässt sich detailliert auf die musikalische Struktur ein. So zerlegt er das Stück "Rhymin' Man" und beschreibt, wie mit musikalischen Zitaten von "La Cucaracha" bis "Bruder Jakob" ein satirisches Porträt des schwarzen Politikers Jesse Jackson gezeichnet wird. An anderer Stelle führt Meyer Tonleitern und Gitarreneffekte auf, um zu zeigen, welchen Aufwand Zappa getrieben hat, um ja neben der Spur zu klingen.

Natürlich spielen auch die vielen Verbindungen zur klassischen Musik eine Rolle. Dirigenten wie Zubin Mehta und Kent Nagano haben sich an Zappas Partituren abgearbeitet. Das Frankfurter Ensemble Modern verschaffte ihm am Ende seines Lebens mit dem Yellow Shark Projekt einen künstlerischen Höhepunkt. Ingo Meyer stellt all das mit wohlwollender Distanz dar. Er wagt es sogar, einige Zappa-Mythen zu demontieren, weist aber viele Wege, sich mit diesem universellen Musiker lustvoll weiter zu beschäftigen.

Dirk Hühner, kulturradio

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