Buchcover "Peter Huchel. Leben in Bildern"
Deutscher Kunstverlag
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Bildband - Matthias Weichelt: "Peter Huchel. Leben in Bildern"

Bewertung:

Peter Huchel gehört zu den zu Unrecht wenig bekannten deutschen Dichtern. Matthias Weichelt hat die Besonderheit und den Zauber seiner Dichtung in Text und Bilder gesetzt.

Emile Zola, Mark Twain, Selma Lagerlöf, Robert Walser, Pablo Neruda –  ihr aller Leben kann man in einer wunderbaren Reihe aus dem Deutschen Kunstverlag nicht nur in literarischer Form, sondern in Bildern nachvollziehen. Nun ist gerade die  neueste Ausgabe erschienen über den Dichter Peter Huchel. 

Sehr schnell wirklich sehr nahe

Mein erster Eindruck, als ich das Buch in der Hand hielt, war ein ganz sinnlicher. Das liegt an den Fotos, dem Papier, dem Einband – der ganzen Gestaltung des Buches. Einige der wunderbaren Porträtfotos von Peter Huchel sind vom Fotografen Roger Melis, es gibt Faksimiles von Texten mit den handschriftlichen Korrekturen von Huchel und so kommt man ihm sehr schnell wirklich sehr nahe.

Zu Unrecht wenig bekannt

Peter Huchel gehört gewiss zu den zu Unrecht wenig bekannten deutschen Dichtern.

Wolf Biermann hat ihm sein berühmtestes Lied gewidmet: "Ermutigung". Huchel hat zu Lebzeiten in der DDR und dann später in Westdeutschland ein vergleichsweises schmales Werk veröffentlicht. Vier Bände Gedichte und Schriften. Aber vor allem die Gedichte haben in seiner Zeit und darüber hinaus eine überproportionale Wirkung und Bedeutung erlangt. Das liegt an der Kraft und Poesie dieser Gedichte und es liegt in der Persönlichkeit von Peter Huchel begründet und seinem Ansehen, das er erlangt hat. Ein Ansehen vor allem als Chefredakteur der literarischen Zeitschrift Sinn und Form, die er als erster Chefredakteur von 1949 bis 1962 geleitet und zu internationalem Ruhm gebracht hat. Dann aber aus politischen Gründen zurücktreten muss. In den folgenden Jahren erlebt er einige Demütigungen, darf endlich 1970 in den Westen ausreisen. Publiziert dort, erhält Preise und stirbt 1981mit 78 Jahren.

Der Lyriker und Romanautor Lutz Seiler, der seit einigen Jahren das Peter Huchel Haus in Wilhelmshorst leitet, hat das, was man über Huchel wissen muss so zusammengefasst:

"Ein großer Mann, mit dem sein Land nichts anzufangen wusste – und ein Weltautor, dessen Gedichte aus der märkischen Landschaft geschöpft sind."

Ein Buch, das das Leben eines Dichters in Bildern erzählen will, braucht zunächst sehr gute Fotografien. Die gibt es hier, die meisten von Roger Melis.

Märkische Wiesen: Sehnsuchtsbild der Kindheitslandschaft

Der Autor Matthias Weichelt hat sich Huchel in mehreren Kapiteln auch textlich genähert, das verläuft entlang der Biographie, beginnt mit einem knappen, aber sehr schönen Eingangstext und Foto unter dem Titel "Der Dichter und sein Gesicht".

Man sieht ein großformatiges Foto von Huchels Gesicht, 1965 aufgenommen: markant, entschlossen, hohe Stirn mit tiefen Falten, buschige Augenbrauen, von den Stürmen gezeichnet. Und der Text beginnt mit einem Hinweis des russisch-amerikanischen Dichters Joseph Brodsky. Von dem ist die Erkenntnis überliefert, das man einen Dichter auf den ersten Blick an seinem Gesicht erkennt, da müsse man keine Zeile von ihm gelesen haben. Und von allen deutschen Schriftstellern, die Brodsky kennenlernte, sei nur Peter Huchel auf diese Weise erkennbar gewesen.

Das ist ein überraschender, aber aussagekräftiger Start in dieses Buch über das Leben von Peter Huchel.

Aber auch Peter Huchels Verwurzelung in der märkischen Landschaft zieht sich durch sein ganzes Leben und damit auch durch dieses Buch. "Die Landschaft des Kindes" heißt ein Kapitel. Darin erzählt Weichelt von Huchels stetem Bezug zu seinen Anfängen, zu den Menschen, der Natur und Landschaft seiner märkischen Heimat. Er wächst auf dem Gutshof der Großeltern auf in Alt-Langerwisch, ein kleines Dorf nahe Potsdam. Und wird auf beeindruckende Weise von Anfang an mit der bäuerlichen Welt, aber auch mit ihrer Poesie und der Poesie der Natur gleichermaßen vertraut. Eine zentrale Prägung für ihn. Später lebt er in Wilhelmshorst, nur wenige Kilometer von dort entfernt. Und berührend geschrieben und eben auch wieder mit Fotografien untersetzt, Huchels Schmerz als er nach seiner Ausreise aus der DDR gerade von diesen Wurzeln gekappt, versucht weiter zu leben und zu schreiben. Und bis zu seinem Ende die märkischen Wiesen als das Sehnsuchtsbild seiner Kindheitslandschaft vermisst.   

Matthias Weichelt hat in Text und Bildern sehr klar diese Besonderheit, diesen Zauber von Huchels Dichtung gleichermaßen in die Zeitläufe des 20. Jahrhunderts wie in die märkische Landschaft gesetzt.

Danuta Görnandt, kulturradio  

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