Robert Macfarlane: Die verlorenen Wörter © Matthes & Seitz
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Sachbuch - Robert Macfarlane: "Die verlorenen Wörter"

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Es gibt Tierarten, die aussterben und es gibt Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. Die beschwört der englische Naturschriftsteller in diesem Prachtband für Kinder und Erwachsene.

Vor einigen Jahren fiel Robert Mcfarlane auf, dass Großbritannien nicht nur mehr als die Hälf­­te der ansässigen Feldvögel verloren, sondern dass dieses Tiersterben auch Aus­wirk­ungen auf den Wortschatz, auf die Wörterbücher hat: "Es waren einmal Wörter, die sich her­aus­schli­chen aus der Sprache der Kinder. Sie verschwanden so leise, dass es kaum jemandem auffiel - ein Verdunsten wie von Wasser auf Stein. Es waren Wörter, mit denen Kinder die Na­­tur um sich herum benannt hatten: Blauglöckchen, Brombeere, Eichel, Eisvogel, Farn, Hei­de - dahin!"

So beginnt dieses Band, in dem es um den "Beschwörungszauber für diese verlorenen Wörter" geht.  Je weniger Kinder draußen spielen, je mehr sie ihre Freizeit vor dem Computer, mit den digitalen Medien verbringen, desto weniger sind ihnen noch die Wörter aus der Natur ge­bräuch­lich. Sie wissen nicht mehr, wie ein Goldfink ausschaut oder ein Zaunkönig. Ihre Ge­schich­ten drehen sich nicht mehr um Nattern oder Raben. Und wofür man keine Namen mehr hat, das kennt und vor allem liebt man nicht.

Robert Macfarlane hatte schon in dem erfolgreichen Buch "Landmarks" viele verlorene Na­tur­begriffe und Bezeichnungen gesammelt, in diesem neuen - gemeinsam mit der wunder­ba­ren Illustratorin Jackie Morris gestalteten - großformatigen Band beschwört er nun verlorene Tier- und Pflanzen-Wörter in Gedichten. "Spells", Zaubersprüche sind das, deren Wort-Anfänge sich jeweils zum verlorenen Namen zusammensetzen.

Auf bewundernswerte Weise gelungen

Für die Übersetzerin Daniela Seel (selber Lyrikerin und Verlegerin des unabhängigen Berliner kookbooks Verlags) war das eine große Herausforderung. Sie musste nicht nur einen eigenen lyrischen Ton finden, sondern die deutschen Namen mit genau solchen Zauber­sprü­chen le­ben­dig werden lassen und außerdem eben das Prinzip des Leistenverses (Akrostichons) erfüllen.  All das ist ihr auf bewundernswerte Weise gelungen und so liest und träumt man sich durch dieses Zauberbuch, in dem außerdem noch eine schöne Geschichte verborgen ist: Eine schottische Schulbus­fah­rer­in hatte mithilfe der sozialen Medien im Rahmen einer Spen­denaktion 25.000 Pfund zu­sam­men bekommen, um sämtlichen 2681 Grundschulen in Schott­land ein Exemplar der "Ver­lorenen Wörter" zu stiften.

Manuela Reichart, kulturradio

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