Volker Ullrich: Adolf Hitler - Die Jahre des Untergangs © S. Fischer Verlag
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Sachbuch - Volker Ullrich: "Adolf Hitler - Die Jahre des Untergangs 1939-1945. Biographie"

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Vor fünf Jahren veröffentlichte der Zeithistoriker und Publizist Volker Ullrich den ersten Band seiner umfassenden Hitler-Biografie, für die er neben der neuesten Literatur auch bislang unbekanntes Archivmaterial ausgewertet hat. Nun erscheint der zweite Band, der sich mit den Jahren des Untergangs befasst.

Volker Ullrich schreibt nicht trocken wissenschaftlich, sondern journalistisch lebendig. Diese Lebendigkeit erreicht er auch durch die laufende Einbindung zeitgenössischer Quellen: die Goebbels-Tagebücher, die wieder aufgetauchten Tagebücher des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg, Aufzeichnungen von Thomas Mann und Victor Klemperer u. a. Er zitiert auch aus dem vor wenigen Jahren publizierten Tagebuch des hessischen Justizinspektors Friedrich Kellner, der mit kritischem Blick die offizielle Berichterstattung verfolgte. Die Stimmung in der Bevölkerung verdeutlicht er mit Zitaten aus den Berichten der Sicherheitsdienste.

Das permanente Einbringen des zeitgenössischen Blicks auf Hitler und die zunehmend
aussichtslose Kriegslage zeichnet diese Biographie aus. Bei Ullrichs sorgfältiger Auswertung der Quellen und Dokumente kommen auch noch neue Details ans Licht, so aus dem Bericht des Anstaltsarztes der Haftanstalt Landsberg vom November 1923. Das alles stellt bisherige Erkenntnisse nicht auf den Kopf, aber es vervollständigt das Bild.

Ohne Hitler kein Judenmord

Ullrich geht es um die Person Hitler, und er verdeutlicht, dass seine Herrschaft eben nicht allein auf der Anwendung repressiver Machtinstrumente beruhte, sondern dass seine Fähigkeit zur Suggestion und der Mythos der "Volksgemeinschaft" wichtige Faktoren waren. Er schreibt: "Der Fokus liegt auf der Persönlichkeit Hitlers, da ohne die verhängnisvolle Rolle, die er spielte, weder der Verlauf des Krieges noch der Weg in den Holocaust hinreichend beschrieben und erklärt werden können."

Es geht Ullrich auch um Hitlers Einfluss auf den Verlauf des Krieges, seine wachsende militärische Rolle als bald alleiniger Feldherr und seine wachsende Verachtung für die Generäle, denen er schließlich jede Niederlage ankreidet. Vor allem aber will Ullrich Hitlers entscheidende Rolle bei der Ermordung der europäischen Juden aufzeigen. Dabei verdeutlicht er auch Hitlers eigentümlichen Führungsstil, der weitgehend aus mündlichen Anordnungen bestand, manchmal auch nur aus Andeutungen. Seine Getreuen verstanden dann schon, was zu tun war. Ullrich ist sich sicher, dass der Judenmord ohne Hitler, ohne seinen eliminatorischen Antisemitismus, nicht zustandegekommen wäre.

Meister der Autosuggestion

Je aussichtsloser die Kriegslage wurde, desto mehr inszenierte sich Hitler als einsamen, sich selbst kasteienden Feldherrn, immer bezugnehmend auf Friedrich den Großen. Nur er wäre in der Lage, noch eine Wende herbeizuführen. Öffentliche Reden hielt er kaum noch, aber im kleinen Kreis gelang es ihm immer wieder, anderen Hoffnung zu suggerieren.

Aber es gab auch zunehmend Zweifler und Menschen, die sich abwandten - wie der hessische Justizinspektor Kellner, der schon am Neujahrstag 1942 schreibt: "Bei nüchterner Betrachtung komme ich zu der Überzeugung, dass es für Deutschland unmöglich ist, diesen Krieg zu gewinnen."

Das wird auch Hitler klar gewesen sein - zumindest hat man ihm es so gesagt -, aber er war eben auch der Meister der Autosuggestion.

Eckhard Stuff, kulturradio

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