Buchcover: "Gelenke des Lichts"
Wallenstein Verlag
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Roman - Emanuel Maeß: Gelenke des Lichts

Bewertung:

Ein Bildungs- und Liebesroman, der von der Landschaft und der Leidenschaft, den Unbillen der Universität und der Suche nach der Wahrheit auf ganz außergewöhnliche Weise erzählt.

Die Geschichte beginnt auf Usedom mit einem Tanz: Der Ich-Erzähler ist noch ein Junge, die Wiedervereinigung noch fern, als er auf der alljährlichen Ferienreise mit seinen Eltern ein Mädchen sieht, deren Bewegungen ihn in den Bann ziehen, in die er sich unsterblich verliebt.

Der Westen, das Wohnzimmer

Emanuel Maess erzählt in seinem Debütroman von den Folgen und den Zeitläuften dieser Liebe, die seinen Helden in den nächsten Jahren begleitet, die für ihn Motto und Grundlage seiner Suche nach Wahrheit und Schönheit, nach Bildung und Selbsterkenntnis werden wird.

Der Protagonist wächst auf im selbstverständlichen DDR-Alltag: "Der Westen war mir, an­ders als meiner Großmutter, die ihn immer als das Wohnzimmer beschrieb, für das man ihr den Schlüssel entwendet hatte, eher so etwas wie ein platonisches Hinterland, aus dem mich nur ein audiovisueller Abglanz erreichte".

Deswegen schaut er eher staunend auf die Wende, die hier auf ungewöhnliche Weise kommentiert wird: "Als ein Jahr später jener große Sturm über das Land fegte, der dann alle Fenster und Türen, darunter auch jene Wohnzimmertür meiner Großmutter aufschlug, war ich ganz erstaunt über die Wut und den Widerstand der Leute, die die religiöse Ordnung infolge einer übertriebenen religiösen Schwärmerei abschaffen wollten und nach Art der Mystiker oder Kartharer auf die andere Seite drängten."

Auf Selbst- und Bildungssuche

Aufregende an diesem Debütroman ist nicht zuletzt die literarische Tradition, in der der Autor sich bewegt, der Stil, die Sorgfalt im Umgang mit Sprache und Beobachtung. Die nicht erfüllbare Liebesleidenschaft folgt der Spur eines Petrarca und seiner Laura, die Selbst- und Bildungssuche ist eine moderne Art der Wilhelm Meisterschen Lehr- und Wan­derjahre.

Nie jedoch ist der Ton altertümelnd oder anbiedernd, die Geschichte des Liebes- und Wahrheitssuchenden, des sehnsüchtigen Lesers und genauen Naturbeobachters spielt heute. Er beschreibt das Gerede auf einem Wissenschaftskongreß in den Schweizer Alpen und vor allem die Ausbildung in Cambridge, jener altehrwürdigen Universität mit ihrer hohen Begabtenquote. Es geht um die neuesten Moden universitären Diskurses und den Überdruss daran, um junge Leute, die sich den allerfeinsten Studien hingeben, und die am Ende dann doch vor allem viel Geld verdienen wollen. Ein Cambridge-Abschluss öffnet auch bei McKinsey alle Türen.

Besonders einfühlsam und ungewöhnlich gelingt dem Autor aber auch das Allerschwerste: Er  fasst den Taumel einer überraschenden Liebesnacht mit der Geliebten in Worte.

Manuela Reichart, kulturradio

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