"La Damnation de Faust" © Staatsoper/ Matthias Baus
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Staatsoper im Schiller Theater - "La Damnation de Faust"

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Mit "La Damnation de Faust" ("Fausts Verdammnis") schuf Hector Berlioz eine der eigenwilligsten "Faust"-Adaptionen überhaupt. Monty-Python-Legende Terry Gilliam hat das Werk für die English National Opera inszeniert, diese Arbeit ist nun in Berlin zu sehen.  

"Damnation de Faust", hatten wir das nicht erst? Richtig, doch die schlappe Sperrfrist von nur zwei Jahren erlaubt in Berlin schon jetzt eine Neuinszenierung ein Haus weiter. Diesmal als Morgengabe für Simon Rattle, der für seine Ehefrau Magdalena Kožená eine Rolle sucht. Und für Intendant Jürgen Flimm, der wieder einmal seiner größten Schwäche frönen kann: dem internationalen Opern-Shopping. Schon irgendwie spätrömische Verhältnisse ... Vor sechs Jahren kam die Inszenierung von Terry Gilliam an der Londoner ENO heraus. Herzhafte Buhs wurden bei der Übernahme ins Schiller-Theater noch so eben niederapplaudiert. Die Inszenierung ist dreist, aber konsequent und opulent genug.

"La Damnation de Faust" © Staatsoper/ Matthias Baus
"La Damnation de Faust" © Staatsoper/ Matthias BausBild: © Staatsoper/ Matthias Baus

Britisch oberschlau

Der Mitbegründer der britischen Komikergruppe Monty Python versucht sich keineswegs auf der Comic-Schiene. Er erzählt den Faust-Pakt als Flirt mit dem Totalitarismus. Vom anfänglich romantischen Alpen-Panorama geht es direkt zum Schlamassel des I. Weltkriegs und in den Nationalsozialismus samt zugehörigen Pogromen. Faust ist ein deutscher Pimpf wie aus der "Feuerzangenbowle". Marguerite wandert als Jüdin ins KZ.

Es ist eine Deutung, mit der nicht zu spaßen ist; nur hat sie mit Berlioz herzlich wenig gemein. Sie läuft darauf hinaus, dass ein britischer Regisseur den Stoff als ur-kontinentaleuropäische Angelegenheit ausweisen kann. Pointe: Mit uns Briten hat das gottlob nicht das mindeste zu schaffen. Mir ist das, gesteh' ich's nur, zu selbstgefällig, zu billig und auch zu britisch oberschlau. Eine Scheinprovokation zum Segen des diensthabenden Regisseurs.

Aufwendige Umsetzung

Wenn das trotzdem üppig über die Rampe kommt, liegt das an der superaufwendigen Umsetzung mit ungezählten Verwandlungen, Prospekten und Statisten (in Kenntnis der Filme Gilliams könnte man auch sagen: an seiner Neigung, sich in zu vielen Bildern zu verzetteln; hier eher zum Vorteil der Sache). Immer wird noch ein Olympiaaufmarsch nachsymbolisiert, eine Veilchenverkäuferin ins Bild geschoben oder ein Totenkopf-Ballett aufgeführt. Es handelt sich um die optisch aufwendigste, gewiss kompliziert zu realisierende Revue einer politischen Schauer- und Hakenkreuzromantik. Ein Totentanz aus dem Geist eines wild gewordenen Spitzweg. Handwerklich glänzend gemacht!

"La Damnation de Faust" © Staatsoper/ Matthias Baus
"La Damnation de Faust" © Staatsoper/ Matthias Baus | Bild: Matthias Baus

Überflüssig, aber sehenswert

Auch die Sänger glänzen über Erwarten. Magdalena Kožená hat mit ihren Rollen an der Staatsoper (zuletzt: "Juliette") immer eine glücklichere Hand bewiesen als in der Philharmonie (ich sage nur: "Carmen"). Ihr Pfirsichmark-Mezzo passt zu Gretchen sehr gut; besonders dann, wenn dieses mit Kapotthütchen aussieht wie das Fräulein vom Amt. Charles Castronovo legt am Schluss doch noch die Truthahn-Töne ab, mit denen er vorher irritierte. Erstaunlich idiomatisch: Florian Boesch, früher ein Papageno vom Dienst, der als Mephisto lässigen Spott verströmt.

Und Simon Rattle? Er exzelliert erneut in Qualitäten, für die er bei den Berliner Philharmonikern nicht eben bekannt war: Kantabilität, Klangschönheit und ein nur seltenes Überkonzipieren. So schwelgerisch entspannt erlebt man ihn nur hier – auf Abwegen. Der Abend, kurzum, ist überflüssig, aber sehenswert.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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