Les pêcheurs de perles © Donata Wenders
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Staatsoper Berlin - "Les pêcheurs de perles"

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Eine Dreiecksgeschichte zwischen dem Anführer eines Perlenfischerdorfes, seinem Jugendfreund und einer Priesterin. Bizet Durchbruch als Opernkomponist und Wim Wenders erste Operninszenierung. Ist an ihm ein Opernregisseur verloren gegangen?

Ob an Wim Wenders ein Opernregisseur verloren gegangen ist? Gewiss nicht. Wir erinnern uns, dass 2013 in Bayreuth ein Jubiliäums-Ring nicht zustande kam (angeblich aufgrund filmischer Nebenrechte, die man dem Regisseur nicht einräumen wollte). Und dass seitdem ein Phantomschmerz bei Wenders und uns blieb. Wir könnten ja, dachte man, womöglich enorm was verpasst haben. Nun, es kann Entwarnung gegeben werden.

Was sich Wenders bei den "Perlenfischern" an der Staatsoper leistet, verrät eine glückliche Unvertrautheit mit den Gesetzen des Genres. In ihm reicht es eben nicht aus, verschleierte Damen an der Rampe zärtliche Blumenbinderinnen-Gesten vollführen zu lassen. Und auch nicht, sich bei feierlichen Anlässen kostümmäßig beim "Herrn der Ringe" zu bedienen (wie im Fall vom Nourabad des sehr wackeren Wolfgang Schöne). Man mag all das auch als Zauber der Zurückhaltung bei dieser hochkonventionellen Inszenierung beschwören.

Man kann aber ebenso gut beklagen, dass zwischen dem Pina Bausch-Film von Wenders (der vor einigen Jahren sehr schön war) und den hier ausgestellten Korkenzieherbewegungen vor dunklem Vorhang eine fatal große Ähnlichkeit besteht. Warum funktionierte es damals – und heute nicht? Weil Pina Bausch ohne Pina Bausch nicht genug übrig lässt.

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Chefsache

Die Aufführung ist dekorativ, doch ohne Dekor. Sie ist kitschig, obwohl die leere Sand-Bühne keine Ausstattung bietet. Was immer man als Deutungsdesiderat ansehen könnte – die Flüchtlings-Geschichte, die Kolonial-Krux, die Exotismus-Ausbeutung –, wird ausgeschlagen. Würde nicht das Wenders-Label im Nacken kleben, niemand würde über die Aufführung auch nur ein Wort verlieren.

Dass Daniel Barenboim die "Perlenfischer" zur Chefsache erklärt hat, ist löblich. So kriegen wir zumindest einmal ein Stück zusehen, dass mit dem berühmten Herren-Duett und einer sehr schönen Tenor-Arie einige musikalische Perlen enthält. Barenboim dirigiert rhythmisch konsistent, ohne zu verhätscheln oder zu vertändeln. Gerade so aber entsteht die Himbeer-Variante eine Wagner-Oper. Es wird schwiemeliger, aber nicht klar. In dieser Weise, wie ich fürchte, ist das Werk auf den ersten Anhieb nicht zu bewältigen.

Ein Schlag ins Zuckerwasser

Olga Peretyatko als Leila ist ein bekannter Name; aber doch auch einer, bei dem sich bei mir die Zweifel mehren. Als Eisprinzessin on the rocks wirkt ihr Gesang geschüttelt, rührt aber nicht. Mir fehlt, ähnlich wie bei Francesco Demuro als Nadir, stimmliche Süße und Süffigkeit. Beides macht Gyula Oredndt als Zurga wett, für den es die erste große Premierenaufgabe ist. Er ist das Beste des ganzen Abends.

...und die Meereswogen in den vielen Videos wehen lyrisch drüber hin. Über das Event nämlich, mit dem wir es bei dieser hyperprominenten Sache zu tun haben. Einmal wird auch der Mond angesungen. Was nützt’s, wenn kein französischer Champagner, sondern nur deutsches Sirup-Getränk verzapft wird? Für mich, es tut mir leid: Ein Schlag ins Zuckerwasser.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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