Die Weddingers: Eine Superheldenkomödie
Bild: Prime Time Theater/ Janina Heppner

Prime Time Theater - "Die Weddingers: Eine Superheldenkomödie"

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"Mitte ist schitte, Prenzlberg ist Petting, real Sex – is only Wedding.“ Eingeweihte wissen nach diesem Slogan sofort, worum es geht: Es ist der Text aus dem Titelsong der Berliner Kult-Theater-Sitcom "Gutes Wedding, schlechtes Wedding". Die vielleicht weltweit erste Theater-Sitcom bringt im Weddinger "Prime Time Theater" alle paar Wochen eine neue Folge heraus, seit 2004 waren das sage und schreibe 111 Episoden.

Vergangenes Jahr wurden sogar vier Folgen fürs rbb-Fernsehen produziert. Nun hatte aber keine neue Comedy-Folge Premiere – sondern ein Special: "Die Weddingers – Eine Superheldenkomödie".

Losgelöst von der Fernsehserie

"Die Weddingers" sind inhaltlich losgelöst von "Gutes Wedding, schlechtes Wedding", aber es empfiehlt sich, die eine oder andere Folge gesehen zu haben, da man hier auf alte Bekannte stößt: Kalle, der Postbote, ist genau so mit von der Partie wie der Döner-Verkäufer Ahmet, nur, dass beide hier zu Superhelden mutieren. Der Döner-Mann, der den besten Ayran verkauft, wird zu Ayran-Man, in Anlehnung an "Iron-Man". Kalle wird zu "Captain Wedding" statt "Captain America".

Die Geschichte von Philipp Lang ist eine Star-Wars-Parodie. Zuerst spielt sie im Berlin der 1930er Jahre, wo ein Forscher daran scheitert, den Superhelden zu erschaffen, der Berlin vor dem "größten Konformisten", also vor Hitler, schützen kann. Schnell springt der Plot dann ins heutige Berlin, in das der "Konformist", in Gestalt von Darth Vader, zurückgekehrt ist, um alle Bewohner zu gehirngewaschenen "Gesichtslosen" zu transformieren. Das will er erreichen, indem er alle Restaurants aufkauft und zu Ketten vereinheitlicht. Die "Weddingers" müssen sich also zusammenschließen, um für die Vielfalt ihrer Stadt zu kämpfen.

Die Weddingers: Eine Superheldenkomödie
Die Weddingers: Eine Superheldenkomödie © Prime Time Theater/ MARTIN CHMILECKIBild: Prime Time Theater/ MARTIN CHMILECKI

Zu viele Handlungsstränge

In dieser vielversprechenden Grundidee klingt einiges an Gesellschaftskritik an. Genau dieses Bild ist es, das einen traurig macht, wenn man durch manche Stadtteile Berlins geht und statt der vielen kleinen Cafés aus aller Herren Länder eine Starbucks-Filiale neben der anderen vorfindet. Doch die Umsetzung dieser Idee in einen spannenden oder zumindest nachvollziehbaren Plot, das Ausformulieren von Szenen, von Dialogen, von Pointen, ist leider ziemlich misslungen.

Das Stück verheddert sich in viel zu vielen Handlungssträngen und führt immer mehr Figuren ein – was hat jedoch das Götterkind "Thür", in Anlehnung an Thor, den Donnergott, mit dieser Geschichte zu tun? Und was hat es mit dem Emo-Girl auf sich, das im Besitz eines Splitters des "Gedankensteins" ist? Es wirkt, als hätte ein Science-Fiction-Fan allen Jugendfantasien freien Lauf gelassen und sich dann von den Ideen nicht mehr trennen können.

Eine Stromstoß-Gurke

Schade auch, dass diese Weddinger nur durch ein bestimmtes Wunder-Instrument zu Superhelden werden: ein spezieller Anzug etwa, eine Verwandlungsmaschine, eine Stromstoß-Gurke. Dabei hätte man auch eine Weddinger Superhelden-Comedy erfinden können, in der normale Berliner durch ihr heldenhaftes und solidarisches Verhalten ihre Stadt retten.

Special-Effects wie in den großen Science-Fiction Blockbustern im Kino sind auf der Bühne natürlich schwer möglich. Dafür werden hier viele Videos als Kulisse projiziert: unterirdische Schächte leuchten auf der Leinwand auf, ebenso wie High-Tech-Forschungslabore, Blitze, Weltall-Atmosphäre. Für ein Low-Budget-Theater eine durchaus sinnvolle und charmante Lösung. Ohnehin lebt dieses Theater zu hundert Prozent von seinen Schauspielern, die hier in der Regie von Alexandra Marinescu und Philipp Hardy Lau geführt werden.

Diese Schauspieler brauchen jedoch vor allem einen guten Text. Seitdem Constanze Behrends, die in zwölf Jahren hundert Folgen von "Gutes Wedding, schlechtes Wedding" geschrieben und dem Theater erst zu seinem großen Erfolg verholfen hat, nicht mehr am Haus ist, schreibt das Ensemble im Wechsel die Texte – für so einen fast zweieinhalbstündigen Abend hätte es aber eine deutlich erfahrenere Hand gebraucht.

Die Zuschauer haben sich trotzdem amüsiert und die Schauspieler beklatscht, sobald die nur die Bühne betreten haben. Eine eingeschworene Fangemeinde also – und für genau diese eingefleischten Prime-Time-Theater-Fans ist der Abend durchaus geeignet.

Barbara Behrendt, kulturradio

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