Kit Armstrong © Neda Navaee
Konzerthaus Berlin; © Neda Navaee
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Konzerthaus Berlin - Akademie für Alte Musik

Kit Armstrong ist ein weltweit gefeierter Pianist. Für die Akademie für Alte Musik Berlin hat er vor zwei Jahren das Konzert für Hammerklavier und Orchester komponiert. Gestern war das Stück - neben Werken von Johann Christian Bach und Mozart zu hören.

Ein Hammerklavier in einem großen Saal ist eine Herausforderung an das Hören. Alle Gewichte zwischen Orchester und Solist in Mozarts "Jeunehomme"-Konzert verschieben sich zugunsten des Orchesters und der Dialoge mit dem Solisten. Erst scheint alles wie durch eine Glasscheibe, dann gewöhnt sich das durch die Umwelt zugeballerte Ohr an den Klang. Und siehe da: alles wird lebendiger, die Kontraste schärfer und die Wirkungen erhöht. Eigentlich sollte man diese Musik nur noch so aufführen! Zumindest wenn Kit Armstrong das so überzeugend tut wie in diesem Fall. Er spielt sogar auswendig das Accompagnato zum Orchester mit!

Mit Verve und Überzeugung

Da er auch Komponist ist, hat er einen besonderen Zugriff zu den Werken. Seine eigenen Kompositionen zeugen wie sein Hammerklavierkonzert davon, dass es ihm ums Spielerische geht. Da ist eigentlich alles Rückblick, Neoklassik, Neobarock, etwas Impressionismus… Das lässt sich gefällig hören, ist auch handwerklich sehr gut gemacht, aber in die Musikgeschichte wird das Stück sicher nicht eingehen.

Wie immer spielt die Akademie für Alte Musik mit Verve und Überzeugung, was besonders der frühen Mozart Sinfonie des 8jährigen bekommt und auch seinem großen Vorbild Johann Christian Bach, den er in London kennengerlernt hat. Das ist in beiden Fällen reine Oper, daher auch auf oberflächliche Wirkung gezielt, aber bei beiden Komponisten bietet der langsame Satz der Opernsinfonien Gelegenheit, tiefere Gefühle darzustellen.

Clemens Goldberg, kulturradio

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