RIAS Kammerchor; © Matthias Heyde
Matthias Heyde
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Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal - RIAS Kammerchor: "Brüder im Geiste"

Bewertung:

Aus einer ersten Begegnung im Jahr 1945 entwickelte sich eine dauerhafte Künstlerfreundschaft zwischen Benjamin Britten und Francis Poulanc. Die beiden Komponisten waren "Brüder im Geiste".

Benjamin Britten und Francis Poulanc hatten viel gemeinsam: beide grandiose Pianisten, eher konservativ rückschauend, der Tradition verpflichtet, aber auch: beide waren homosexuell und konnten das nur versteckt leben. Das führt zu inneren Mauern, indirekter Rede. Aber sie unterschieden sich auch. Beides konnte man im ambitionierten Programm bestaunen.

Im Lied "Fancie" auf ein Shakespeare-Gedicht  (Susanne Langner und die etwas brave Pianistin Helen Collyer) kam der Unterschied sehr schön heraus: Poulenc kühl ironisch auf die Frage, ob Liebe im Kopf oder Herz entsteht, Britten ganz mit innerer Beteiligung.

Es wird großartig werden!

Der Krieg war im Hintergrund zweier Chor-Kantaten. Poulenc kommt so schmerzhaft und hart aus sich heraus wie selten auf Gedichte von Paul Eluard. Justin Doyle animierte zu großem Engagement, vielfältigem Ausdruck und legte alle Fakturen klar offen. Etwas Entscheidendes fehlte trotzdem. Poulenc bleibt ganz nah an der Sprachmelodie. Wann endlich wird man verstehen, dass Französisch von den Silben und den Konsonanten her Ausdruck entwickelt. Da ist noch viel Luft…

Ein Heimspiel dagegen Brittens Hymn to St. Cecilia. Eigenartig, wie Britten 1942 auf der Schiffsreise in die Heimat eher kühl die Humanität der Musik besingt. Das kam in allen Facetten wunderbar heraus. In allen weiteren Stücken blieb doch ein Eindruck. Selbst im frühen Zyklus auf religiöse Themen AMDG von Britten bleibt das Indirekte, nie ganz ins Innere Vordringen. Das hat dann doch mit der gemeinsamen Identität der Komponisten zu tun.

Justin Doyle © Gregor Baron
© Gregor Baron | Bild: Gregor Baron

Man kann bei Justin Doyle und dem Chor noch eine gewisse Fremdheit zwischen der jungenhaften, äußerst begeisterten Art des Dirigenten und der manchmal noch skeptisch Dreinschauenden Mehrheit der SängerInnen bemerken. Lasst Euch nur anstecken, es wird großartig werden!

Clemens Goldberg, kulturradio

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