Komische Oper: Märchen im Grand Hotel
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Komische Oper Berlin - Paul Abraham: "Märchen in Grand Hotel"

Auf dem Kamm der Erfolgswelle etlicher Hotel-Romane, –Theaterstücke und –Filme, die von Vicky Baums "Menschen im Hotel" (und seiner Verfilmung 1932) Auftrieb erhielten, segelt auch "Märchen im Grand-Hotel".

Alle Grand-Hotel-Stoffe gehen damit einher, dass Prominente inkognito einchecken und nach Möglichkeit ein Juwelendiebstahl verübt wird. Auf letzteres verzichtete Paul Abraham sogar, sicherlich im Vertrauen, dass im Genre Operette lediglich ein Zimmerkellner in einen adligen Millionärsspross ungewandelt werden muss... und schon siegt das Happy-End. Kaum mehr als Schlüsselreize bedient sein Werk, und lief trotzdem zwei Monate en suite am uraufführenden Theater an der Wien. Das ist kaum nachvollziehbar.

Die Handlung ist papierdünn, musikalisch wird nach Hollywood geschielt (wo ein Teil der Handlung spielt). Alles ist Anlass für eine Nummern-Revue aus Tango, Charleston, Quickstep, Foxtrott und was immer der amerikanischer Rhythmus hergibt. 1934, ein Jahr nach seinem letzten Erfolg in Deutschland (mit "Ball im Savoy"), befand sich der Komponist sichtlich in der Defensive und auf halbem Weg ins Exil. Dieser schwierigen Situation konnte er keinen Hit abgewinnen. Hinter der Aufführung steckt freilich umso mehr Rekonstruktionsarbeit (besorgt von den trefflichen Spezialisten, die vorher schon "Viktoria und ihr Husar" sowie "Roxy und ihr Wunderteam" dem Vergessen entrissen). Verdienstvoll ist das sehr.

Die konzertante Aufführung (mit Barrie Kosky als szenischem Arrangeur) ist neuerliches Vehikel für Max Hopp, der als Zimmerkellner und Conférencier immer dann den Hans-Joachim Kulenkampff – also den Improvisator – in sich entdeckt, wenn mal wieder ein Mikro klemmt. Tom Erik Lie darf in drag auftreten – da muss jeder von der Belegschaft der Komischen Oper durch! Sarah Bowden als Gast, kürzlich noch Esmeralda im "Glöckner von Notre-Dame", liefert den Beweis, dass die halbe Arbeit eines echten Musical-Stars in der Beinarbeit besteht. Bonuspunkte in der B-Note!

Bei Kennern mag man mit diesem wahrlichen unbekannten Stück punkten. Nur, wer kennt auch nur die bekannten Werke von Paul Abraham? Wer kennt "Die Blume von Hawaii"?! Zuzugestehen ist, dass Abraham, der im November 125 Jahre alt geworden wäre, weite Teile seines Lebens in Grand-Hotels zugebracht hat; er starb sogar 1960 in Hamburg sogar in dem Irrglauben, noch immer im New Yorker Hotel Windsor zu residieren. Ein schöner biographischer Bezug ist das. Seine Intimkenntnis hat ihm bei diesem Stück trotzdem wenig genützt. Alles ist ebenso vorhersehbar wie in einem Heinz Rühmann- oder Bette Davis-Film der 30er Jahre; freilich auch nicht schlimmer. Als Auftakt zum fünfteiligen, sich über Jahre ziehenden Abraham-Revival hätte man trotzdem ein besseres Stück finden können.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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