Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern (Quelle: Monika Rittershaus)
M. Rittershaus
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Philharmonie Berlin - Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker

Bewertung:

Die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle laden zum traditionellen Konzert zum Jahreswechsel. Diesmal ist die Mezzosopranistin Joyce DiDonato dabei.

Frohe Laune und karnevalesker Überschwang sind nicht einfach im Ton zu treffen. Sowohl in Dvoraks "Karneval" als auch in Bernsteins Tänzen aus "On the Town" klang der Überschwang oft etwas fest, manchmal gar militärisch. Bei Bernstein merkt man in Berlin immer noch, dass es eben doch nicht New York ist. Trotzdem gab es memorable Soli von Andreas Ottensamers Klarinette und Walter Seyfarths Es-Klarinette.

"Take care of this house" komponierte Bernstein nach dem Rauswurf des Hausherrn Nixon. Simon Rattle hätte durchaus gar nicht die Bezüge zu heute verbal vorausschicken müssen!

Überzeugend

Den Gesang in dieser politischen Mahnung steuerte die Solistin des Abends Joyce di Donato bei. Sie verblieb hier wie auch in den fünf Orchesterliedern von Strauß immer bei der künstlerischen, sehr beeindruckenden Gestaltung, sei es in Färbung, Phrasierung oder Tongestaltung. Dies hinderte bei Strauß sowohl bei "Morgen" als auch beim "Wiegenlied" doch daran, zu einem schlichten oder wirklich innigen Gefühl vorzudringen und dieses zu vermitteln. Trotzdem beeindruckend. Die Verbindung von Kunst und Gefühl gelang dagegen in "Morgen" dem singenden Geiger Noah Bendix-Balgley.

Schostakowitschs Tanzeinlagen aus den "Goldenen Zeiten" sind eigentlich ein Zeugnis des Systemkriegs zwischen Ost und West, aus dem sich der Komponist hinreißend heraushielt, indem beide Seiten sehr überzeugend sind. Hier glänzte das Orchester und fand auch den richtigen Ton, besonders im sehr gefühlvollen Adagio.

Clemens Goldberg, kulturradio

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