Igor Levit am Flügel (Quelle: Felix Broede)
Felix Broede
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Philharmonie Berlin - Igor Levit spielt Schostakowitsch

Von Zartheit über Clownerei, von Groteske zum stillen Gebet, von Verzweiflung und Hoffnung kündet dieses Spiel - Igor Levit mit gerade einmal 30 Jahren einer der ganz Großen seines Fachs, interpretierte im Kammermusiksaal Schostakowitschs 24 Präludien und Fugen.

Schostakowitschs 24 Präludien und Fugen für Klavier sind weit mehr als eine von Bach inspirierte Stilübung: eine Lebensreise, ein Bekenntnis. Nur auf dem Klavier konnte Schostakowitsch 1952 noch unverstellt komponieren, wobei die scheinbar strikte Form der Fuge und die scheinbar konservative Dur-Moll-Tonalität die Möglichkeit bot, sowohl Gefängnis, Freiheit, Zartheit, Hoffnung und Bitten auszudrücken.

In den Präludien scheinen zudem die modernsten Züge des Werkes auf, scheinbar Disparates weist auf Konflikte des Lebens. Erstaunlich, wie Stilfragen völlig nebensächlich werden, wenn die Aussage so ergreifend ist.

Packend und berührend

Igor Levit führt traumwandlerisch den Hörer durch dieses gigantische zweieinhalbstündige Werk. Nie lässt er nach, immer ist er genau auf der Höhe der sich schlagartig wandelnden Stücke, schlägt große Bögen und ist mit jedem Detail vertraut. Vor allem ist er vollkommen authentisch, es ist ein ungeheuer persönliches Spiel, das aber völlig die Begeisterung über das Werk vermittelt, es völlig überzeugend werden lässt.

Von Zartheit über Clownerei, von Groteske zum stillen Gebet, von Verzweiflung und Hoffnung kündet dieses Spiel - von der technischen Klarheit und Virtuosität muss man nicht reden, denn sie ist wie selbstverständlich Voraussetzung dieser packenden und berührenden Interpretation. Es mag eine ganz andere Interpretation dieses Werkes geben, beeindruckender und wundersamer kann sie nicht sein.

Clemens Goldberg, kulturradio

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