Andreas Scholl © James McMillan/Decca
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Konzerthaus Berlin - Ein Liederabend mit Andreas Scholl

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Andreas Scholl hat immer noch eine der unverkennbarsten hohen Männerstimmen. Selbst wenn man ihr noch die dreiwöchige Grippe davor anmerkt.

Was mit den Jahren sehr gewonnen hat ist die Ausdruckstiefe Scholls, die sich vor allem in den berühmten Dowland-Liedern wie "In Darkness Let Me Well" oder "Time Stands Still" zeigt. Hier hat Scholl auch Freiheiten, die ganz dem Gehalt und der Darstellung der Facetten dienen.

Edin Karamasow begleitet ihn sehr sensibel und feinfühlig auf der Laute. Er gestaltet seinen Part zudem selbständig mit eigenen Ideen und Verzierungen, von denen es auch noch mehr in den Strophen hätten sein können. Weniger achtet Karamasow auf den Schönklang und die hohe Kunst des Gesangs auf diesem Instrument.

Von Karamasow stammt auch die Version von Händels italienischer Kantate "Nel dolce tempo", die in der schnellen Arie am Schluss leider etwas schwurbelig purzelte. Scholl fand auch immer mehr in die Feinheiten des Textes. Spätestens hier erwies es sich als Ärgernis, dass der italienische Text nicht genau übersetzt wurde, sondern mit ein paar Zeilen am Schluss, wie im gesamten Programm. Zudem war es im Saal so dunkel, dass man nichts lesen konnte. Das muss sich dringend ändern.

Leo Brouwer arrangierte sowohl drei schottische Folksongs, als auch Texte von García Lorca sehr geschickt gemäßigt modern. Am meisten überzeugte hier Karamasow, als er für letztere zur Gitarre griff. Andreas Scholl bot seine unnachahmlichen lauten hohen Töne, aber auch viel Seele und Innigkeit. Man war gern am "Abend mit …" bei ihm.

Clemens Goldberg, kulturradio

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