Les Talens Lyriques
Berliner Philharmoniker; © Eric Larrayadieu
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Philharmonie Berlin - Barockmusik mit Les Talens Lyriques und Christophe Rousset

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Der Abend bot olle Musik und kühle Interpretation. Für Berlin mit seinen tollen Ensembles war das zu wenig.

Das französische Ensemble Les Talens Lyriques ist in Frankreich an der Spitze angesiedelt. So war das deutsch französische Programm auch eine gute Gelegenheit, es mit hiesigen Ensembles zu vergleichen.

Keinerlei Individualität

Mit Telemanns Suite "La Putain" (die Hure) gingen wir auf ein derbes Dorffest, an dem alles durcheinander geht und Alkohol vermutlich eine große Rolle spielt. Die Musik ist ungeheuer modern, da sie filmschnittartig die Ebenen wechselt.

Über diese Modernität geht Christophe Rousset mit Eleganz und sehr einheitlichem Spiel hinweg, so dass Telemann nur bedingt eine Chance bekommt gegen Leclairs Opernsuite "Scylla et Glaucus". Auch hier wird der französische Stil perfekt beherrscht, das Zusammenspiel ist bestechend - nur die innere Beteiligung, die Spielfreude, die Energie innerhalb des Ensembles sind kaum zu spüren. Nur ernste Minen, es geht zu wie auf einem französischen Elite-Gymnasium, bei dem der Einzelne sich auch keinerlei Individualität leisten darf.

Graduell anders

Dies wird in der zweiten Hälfte nur graduell anders. Der derbe Humor in Telemanns Ouvertüren-Suite "Les Nations" lässt sich auch wirklich kaum verleugnen. Nur wirkt es auch hier wieder wie äußerlicher Effekt, nicht wirklich theatralisch vermittelt. Grandios die Musik in Rameaus "Les fêtes de l'Hymen et de l'Amour", er war ein wirklicher Revolutionär. Hier ging Rousset und sein Ensemble endlich einmal etwas mehr aus sich heraus. Tolle Musik, kühle Interpretation. Für Berlin mit seinen tollen Ensembles aber zu wenig.

Clemens Goldberg, kulturradio

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