Artemis Quartett; Foto: Felix Broede
Felix Broede
Bild: Felix Broede

Kammermusiksaal - Artemis Quartett

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Es sind gerade mal 22 Takte, die Mozarts Streichquartett KV 465 zu seinem Namen "Dissonanzenquartett" verhalfen. Und mit denen wies Mozart musikalisch schon in die Zukunft.
       

In ihrer jüngsten Besetzung mit zwei Damen und zwei Herren ist eine sehr gelassene Balance in das Quartett gelangt. Die ohnehin immer bei diesem Quartett vorhandene fast magische Gemeinsamkeit ist jetzt noch ausgeglichener.

Freilich birgt diese traumwandlerische Gemeinsamkeit auch Gefahren. Bei Mozarts "preußischem" Quartett steht die unglaubliche Motivarbeit mehr als spielerische Kombinatorik denn als individuelles Gespräch im Vordergrund. Der Schlusssatz im Artemis-typischen halsbrecherischen Tempo hätte durch Binnen-Atmung noch gewonnen. Überhaupt wünscht man sich ab und zu mehr Wagnis des aus der Zeit Tretens.

Niemals langweilig

Ganz bei sich und mit intensiver Emotion ist das Quartett bei Bartók. Ob im jugendsitlhaften kontrapunktischen Geflecht oder im heftig folkloristischen Scherzo, besonders aber in der schmerzlichen Kriegs-Erfahrung des langsamen letzten Satzes: Hier stimmt alles.

In Mozarts "Dissonanzen"-Quartett, das sehr viel plauderhafter und witziger ist als das preußische, war mehr Binnendifferenzierung zu spüren, größere Individualität der Charaktere. Ein spannender Weg, wie immer bei diesem Quartett, bei dem einem niemals langweilig zumute wird.

Clemens Goldberg, kulturradio

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dpa/Schoening Berlin

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