Robin Ticciati © Kai Bienert
© Kai Bienert | Bild: Kai Bienert

Philharmonie Berlin - Deutsches Symphonie-Orchester Berlin mit Robin Ticciati

Bewertung:

Anton Bruckner bezeichnete die Sechste Sinfonie als seine "keckste Symphonie". Und tatsächlich beschritt der Komponist mit diesem Werk neu Wege. Gestern war das Werk beim Konzert des DSO unter der Leitung seines Chefdirigenten Robin Ticciati zu hören.  

Magnus Lindberg ist für wilde Musik bekannt. Seine Komposition "Chorale" ist allerdings ein großer Teppich mit verschiedenen Wollstärken und Materialien, in die der Bach-Choral 'Es ist genug' eingewebt ist. Robin Ticciati ließ dieses Gewebe sehr farbig und elegant mit dem DSO entstehen. Der Choral wird bekanntlich auch in Alban Bergs Violinkonzert verwendet, allerdings kam statt des Konzerts die 'Sieben frühen Lieder' von Berg in der Orchesterfassung.

Herrliche Soli!

Karen Cargill hat eine herrliche, vielfarbige Stimme. Sie war kurzfristig eingesprungen. Trotzdem war befremdlich, dass sie zwar viele Worte äußerst gepflegt artikulierte, trotzdem aber 50 % nicht verständlich blieben und vor allem aber der Sinn jenseits der Artikulation blieb. Ob "Geheimnis" oder "Lust" oder "Nacht" – alles irgendwie erregt und farbig, aber nicht im Gefühl transportiert. Leider ist das ja nur einer ganz kleinen Minderheit von SängerInnen vergönnt ...
Das Orchester dagegen schuf unter der sehr differenzierten Anleitung von Robin Ticciati einen suggestiven Raum für die vielen erotischen Anspielungen.

Bruckners Sechste wird wenig gespielt, dabei ist sie besonders zugänglich und attraktiv. Ihre fließenden Übergänge waren wie geschaffen für Ticciati. Er hat mit dem Orchester erheblich an Tiefe und Profil gewonnen. Besonders berührend der langsame Satz (herrliche Soli von Oboe und Klarinetten), die Anmutung von Meer im ersten Satz mit untergründigen Strömungen … Sehr überlegen auch die Dramaturgie des Finales. Hier ist schon sehr viel gewachsen!

Clemens Goldberg, kulturradio

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