András Schiff, Pianist, im kulturradio-Studio; Foto: Carsten Kampf

Philharmonie Berlin - Klavierabend mit András Schiff II

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András Schiff stellt in dieser Saison das Klavierwerk von Johannes Brahms in den Mittelpunkt seiner beiden Klavierabende. Im zweiten Konzert widmet er sich den letzten drei Klavierzyklen.

Ein Abend mit András Schiff ist immer eine eigene Komposition und fast eine Weihehandlung. Das Spätwerk von Brahms ist ein Abschied vom Klavier, ebenso Schumanns schon in der Anstalt komponierten "Geistesvariationen". Bachs Präludium und Fuge h-Moll beschließen allerdings auch zukunftsträchtig den 1. Band des Wohltermeperierten Klaviers, und Betthovens "Les Adieux"-Sonate trägt den Abschied schon im Titel.

Dazu befruchten sich die Werke noch gegenseitig, denn viel Bach ist bei allen anderen zu finden, auch in Mozarts a-Moll-Rondo. Schiff ist so überzeugt von diesem Konzept, dass alle Stücke ineinander ohne Beifall übergehen – nicht ganz unproblematisch, aber das gehört eben dazu.

Elementaren Gegensätze

Schiff spielt sehr innig, fast privat, auch sehr klar und berührend – allerdings wendet er sich fast nie nach außen und ein persönliche Bekenntnis ist auch nicht beabsichtigt. Ein Kontrast zum rieisigen Saal der Philharmonie, der mal sehr faszinierend ist, manchmal aber auch störend. Vor allem überspielt Schiff viele elementaren Gegensätze, die dem Gesamtkonzept entgegen stehen.

Hört man seinen Schumann, ist man über die Zartheit erstaunt, aber auch, was den wohl die Zeitgenossen daran schockiert haben soll. Es gab aber durchaus Schockierendes in den Variationen! Bei Mozart gibt es zwar Wehmut, aber auch einen starken Kontrast mit sehr freudigen Couplets, die Schiff im Sinne Schuberts interpretiert, nämlich auch eigentlich traurig.

An der Oberfläche

Am blassesten geriet dem großen Bach-Interpreten ausgerechnet das so abgründige h-Moll-Stück. Sowohl die überbordenden Oberstimmenduos als die fast atonale Ausleuchtung der Fuge blieben sanft an der Oberfläche.

Bei Brahms traten erst die Stücke in der 2. Hälfte aus diesem zart-innerlichen Ton heraus, der Mann hatte noch ganz schön Kraft. Mehr davon hätte man auch vorher schon erwartet. Schließlich Beethoven: Hier konnte selbst Schiff nicht umhin, die revolutionäre Neuheit auch nach außen zu kehren.

Clemens Goldberg, kulturradio

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