"L'incoronazione di Poppea"; © Alina Manali Bader
Bild: Alina Manali Bader

UNI.T – Theater der UdK Berlin - Claudio Monteverdi: "L'incoronazione di Poppea" ("Die Krönung der Poppea")

Bewertung:

"L'incoronazione di Poppea" , die letzte Oper Claudio Monteverdis, war am Freitagabend im Theatersaal der Berliner Universität der Künste zu sehen, im Rahmen eines sogenannten Werkstattabends.

Das vergangene Jahr war ein Monteverdi-Jahr, die Musikwelt feierte den 450. Geburtstag des Komponisten. Aber auch 2018 ist auch ein wichtiges Monteverdi-Jahr, das Jahr seines 375. Todestages am 29. November.

Entsprechend gespannt war ich auf diesen "Werkstattabend", wobei die UdK mit der Wahl dieses  Begriffs ihr Licht unter den Scheffel gestellt hat. Vielmehr war das Ganze eine szenische Produktion, die kaum Wünsche offen ließ, die jedem ordentlichen Stadttheater Ehre gemacht hätte – sowohl was die Regie, Bühne und Kostüme, als auch die Sänger betrifft.

"L'incoronazione di Poppea"; © Alina Manali Bader
"L'incoronazione di Poppea"; © Alina Manali BaderBild: Alina Manali Bader

Der perfekte Opern-Plot

"L’incoronazione di Poppea" ist die Liebesgeschichte zwischen dem römischen Kaiser Nero und der Patriziertochter Poppea, die zunächst mit Otho verheiratet ist, der in der Oper "Ottone" heißt. Aus dieser Konstellation ergibt sich natürlich der perfekte Opern-Plot.

Ottone ist zutiefst gekränkt. Gemeinsam mit seiner früheren Geliebten Drusilla will er Poppea töten, aber der Liebesgott Amor sendet Donner und Blitz und verhindert dadurch den Mord. Am Ende verstößt Kaiser Nero seine Gattin Octavia, heiratet Poppea und macht sie zur Kaiserin – beide sind einander verfallen.

Drusilla und Ottone werden begnadigt. Einziges Todesopfer in der Geschichte ist der Philosoph Seneca, der von Nero zur Selbsttötung gezwungen. Der Grund in der Oper: Er heißt die Verbindung zwischen ihm und Poppea nicht gut.

"L'incoronazione di Poppea"; © Alina Manali Bader
"L'incoronazione di Poppea"; © Alina Manali Bader | Bild: Alina Manali Bader

Exzellente Personenführung

Das Ganze wurde absolut professionell auf die Bühne gebracht. Die Regisseurin Isabel Hindersin – einzige Professorin der UdK, die bei der Produktion mitgewirkt hat – hat eine schauspielerische Vergangenheit, u. a. spielte sie in der Krimiserie "Adelheid und ihre Mörder" mit. Seit zwei Jahren hat sie die Professur für Regie im Fach Gesang/Musiktheater inne.

Isabel Hindersin ließ eine exzellente Personenführung walten. Sie verstand es, die Gesangsstudenten und -studentinnen zu schauspielerischen Höchstleistungen zu motivieren. Die Ausstattung war sehr spartanisch, aber die jungen Künstler agierten dermaßen ausdrucksstark, dass man keine Requisiten vermisst hat.

Zu Herzen gehend

Für das Bühnenbild und die Kostüme war eine Studentin, Alina Manali Bader, zuständig. Die Kostüme waren sehr aussagestark: Poppea trug eine Art zweite Haut, einen glänzenden Ganzkörperanzug, der ihre körperlichen Reize sehr betonte. Nero war gekleidet als ein eitler Geck mit roten Krokodillederslippern. Und Seneca dagegen als bärtiger Hipster mit Nerdbrille im braunen Cordanzug.

Es wurde bewusst mit Klischees gearbeitet, was insgesamt sehr stimmig wirkte. Die Eigenschaften der Charaktere innerhalb der komplizierten zwischenmenschlichen Konstellationen wurden unterstrichen. Für ein Debüt in Sachen Ausstattung und Kostümbildnerei ist es auch völlig legitim, auf diese Weise die Geschichte zu erzählen.

Auch in musikalischer Hinsicht gab es keinerlei Ausreißer nach unten. Das studentische Sängerensemble war hervorragend, alle beherrschten die historisch-informierte Rhetorik. Es waren wirklich einige Talente zu entdecken. Die finnische Sopranistin Vilja Riutamaa in der Titelpartie hat ein wunderbares strahlendes Timbre, das sie aber sehr gekonnt zu dosieren verstand. Der chilenische Countertenor Eduardo Rojas stand ihr kongenial gegenüber. Die Verschmelzung beider Stimmen im berühmten Liebesduett am Ende – absolut zu Herzen gehend!

"L'incoronazione di Poppea"; © Alina Manali Bader
"L'incoronazione di Poppea"; © Alina Manali Bader | Bild: Alina Manali Bader

Absolut sehenswert

Beeindruckend auch Matwey Korshun aus Weißrussland in der Rolle des Philosophen Seneca – eine wunderbar geschmeidige, warme Bassbaritonstimme und für mich die Entdeckung des Abends.

Auch die Instrumentalisten agierten auf hohem Niveau, bis auf kleinere Probleme mit der Stimmung der Darmseiten, die aber ja auch versierten Profis bisweilen Kopfzerbrechen bereiten. Ein Barockensemble, das so spielte, als ob es seit Jahren schon als Formation auftritt. Das lag am musikalischen Leiter, dem Dirigierstudenten Amaru Soren aus Rio de Janeiro. Er hatte die Fäden vom Cembalo aus immer in der Hand, führte die jungen Sängerinnen und Sänger über die ein oder andere Klippe hinweg, eben so, wie es sein soll.

Auch und gerade wegen der Internationalität der Mitwirkenden ist diese Produktion absolut sehenswert – ein faszinierendes Spiegelbild der weltoffenen Hauptstadt Berlin. Und ein perfektes Beispiel, wie man über die Musik des Barock-Urvaters Monteverdi junge Künstler aus aller Welt zusammenführen kann.

Claus Fischer, kulturradio

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