"Daniel Harding"; © imago/momentphoto/Bonss
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Philharmonie Berlin - Berliner Philharmoniker mit Daniel Harding und Gerald Finley

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Richard Strauss war begeisterter Bergsteiger. Kein Wunder also, dass er in seiner letzten Symphonischen Dichtung eine Wanderung in den Alpen schilderte. Daneben präsentiert Daniel Harding mit dem Bassbariton Gerald Finley berühmte Schubert-Lieder in selten zu hörenden Orchesterarrangements.

Eigentlich müsste Schuberts "Erlkönig" in der Orchesterversion von Berlioz sich sehr gut für diese orchestrale Erweiterung eignen. Aber nicht nur in diesem Lied, auch in Regers Version von "Prometheus" nimmt die viel bildhaftere und räumlichere Darstellung eher etwas vom Reiz weg, macht die Finessen der Textdeutung Schuberts eher banaler.

Gerald Finley hat die Stimme um die Philharmonie zu meistern, viele Farben, auch durchaus differenzierte Gestaltung. Trotzdem will sich eine wirkliche Berührung, eine emotionale Teilnahme nicht einstellen. Das ist eben nur wenigen gegeben! Daniel Harding begleitet mit dem engagierten Orchester beschwingt und umsichtig, aber auch hier kein Zauber.

Ganz anders ergreift das Fragment aus Schuberts Oratorium "Lazarus". Simon, ein Freund des Lazarus, steht am offenen Grab und fragt nach dem Sinn des Lebens und nach einem Danach. Schuberts Orchester stellt alles vorher gehörte in den Schatten, hier stellt sich auch wirkliches Ergreifen ein.

Viele Dimensionen unberührt

Ganz äußerlich aufgeblasen und lebensdrall dann Strauss’ "Alpensinfonie", man hört sie wirklich zu oft. Auch in der brillanten Umsetzung und dem auch hier beschwingten Dirigat Hardings kann man sie bewundern, aber viele Dimensionen bleiben unberührt. Das Gewitter ist toll, aber nicht bedrohlich, der Aufstieg cluster-geballt, aber nirgends zweifelnd, kein Geheimnis nirgends, auch nicht am Schluss, wo doch die Flucht vor dem Gewitter eigentlich eine Niederlage ist. Wer dieses Stück zum x-ten Mal aufführt, muss mehr zu fragen haben.

Clemens Goldberg, kulturradio

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