Deutsche Oper Berlin: Das Wunder der Heliane; © DOB/Monika Rittershaus
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Deutsche Oper Berlin - Erich Korngold: "Das Wunder der Heliane"

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Das "Wunder" dieser Erlöseroper von 1927 besteht darin, dass die verklagte Heliane einen Toten zum Leben erwecken soll.

Heliane ist die Ehefrau eines totalitären Herrschers, mit der Totenweckung soll sie beweisen, dass sie nicht mit dem Betreffenden geschlafen hat – wie auch immer das klappen soll. Die Erweckung gelingt sogar, woraufhin Heliane umgebracht wird und mit dem Auferweckten zum Himmel fährt.

"Hoppsa!", können Sie sagen, einen solch groben Unsinn habe ich lange nicht gehört. Richtig. Trotzdem habe ich meinerseits lange nicht einen so großen Jubel gehört wie bei dieser Premiere – für alle Beteiligten. Dies Wunder ist ein Doppel- und Dreifachwunder. Und entsprechend laut klingt es auch.

Eine Tenor-Luxuslimousine

Gejubelt wird auch, eben weil so laut, aber eben doch famos gesungen wird. Sara Jakubiak ist ein verschwenderisch flutender, wintersonnengleißender US-Sopran. Kalte Pracht, aber doch echte Pracht. Brian Jadge als Fremder, gleichfalls kein Star, ist eine australische Tenor-Luxuslimousine in Silberkarosserie. Er lässt sogar noch auf den letzten Metern den Motor aufheulen. Und ein besseres Rollendebüt als das von Derek Welton als Pförtner habe ich kaum je gehört.

Der eigentliche Star des Abends ist – auf dem Papier – Regisseur Christof Loy. Ihm ist, abgesehen von einer "Jenufa" vor etlichen Jahren, noch keine Aufführung in Berlin wirklich gelungen. Auch diese nicht. (So gut er andernorts sein kann.) Loys "Grundidee" besteht darin, alles in einem edel vertäfelten Gerichtssaal spielen zu lassen. Mit Heliane als "Zeugin der Anklage", was zur Trivialhymnik manch hollywoodesker Filmmusikanspielung passt.

Auch zu den Kerkerszenen fügt es sich. Sogar noch, wenn Heliane sich auszieht (worin 1927 der Schockeffekt des Werkes bestand). Es folgt aber zu wenig daraus. Der Prachtsaal ist bloßes Passepartout einer 08/15-Inszenierung, von der außer Personenregie wenig übrig bleibt. Jedenfalls gemessen am bizarren Inhalt des Werkes, bei dem Totalitarismus durch einen religiösen Heilsbringer, also der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden soll.

Auf höchster Flamme

Marc Albrecht als Dirigent ist hochbesetzt. Ich verstehe wieder nicht, weshalb sich GMD Donald Runnicles aus der Pflicht stiehlt. Korngolds Hauptwerk repräsentiert eine in Butter geschwenkte Spätromantik. Welche auf höchster Flamme heizt, heizt und wieder heizt.

So gut das Orchester unter Albrecht klingt – und so sehr dieser den Klang von außen zu kühlen sucht –, so sehr versäumt er es, den Kessel auch mal vom Feuer zu nehmen. Das wälzt sich auf höchster Flamme dreistündig vor sich hin. Es quillt und quillt wie das unerschöpfliche Töpfchen in Grimms Märchen. Man freut sich, wenn man rauskommt, dass es so kalt ist.

Die Aufführung ist eine echte Ausgrabung, zumal seit 1928, als das Werk schon mal hier war (unter Leitung von Bruno Walter), sich nie wieder ein so großes Haus dafür interessierte.

Man sollte nie erwarten, dass vergessene Werke pure Meisterwerke sind. Auch diese Ausbrabung kommt dreckig und verklumpt ans Licht – als hypertropher Brocken. Trotzdem allseitige Begeisterung! Weil eben doch irgendwie eine Kraft drinsteckt. Schon jetzt: die Ausgrabung der Saison.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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