Il Suonar Parlante; © Promo
Il Suonar Parlante
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Kammermusiksaal - "Barbarische Schönheit"

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Mit großer Spielfreude, Raffinesse und Fantasie legte das Ensemble Il Suonar Parlante unter Leitung des Gambisten Vittorio Ghielmi ein "beredtes" Zeugnis für eine europäische Kultur jenseits nationalistischer oder dünkelhafter Scheuklappen ab.

Ausganspunkt war das "barbarische" Polen, das mit seiner wilden und rhythmisch wie harmonisch originellen Musik in die "Hochkultur" Telemanns mühelosen Eintritt fand. Aber auch Venedig mit seiner kosmopolitischen Kultur war Brennpunkt im Programm. Es zog den Böhmen František Jiránek an, der in der Folge astreine "Weltmusik" Venedigs in einem die Sinne betörenden Violinkonzert komponierte. Was von Alessandro Tampieri sehr eindrucksvoll kommunikativ über die Rampe gebracht wurde.

Vittorio Ghielmi ist ein sehr bescheidener, aber dabei sehr intensiver, eleganter, raffinierter Gambist, sicher führend auf diesem Instrument. In Grauns wahnwitzig virtuosem Konzert konnte man dies eindrucksvoll erleben. Bei Telemanns Ausflügen ins folkloristische Polen wurde er ideal von der immer noch auf einem eigenen Stern spielenden Blockflötistin Dorothee Oberlinger herausgefordert.

Man bat zudem einen unglaublich virtuos improvisierenden Cymbalisten, Marcel Commendant, hinzu. Historisch unwahrscheinlich, für uns heute aber sehr anregend und überzeugend.

In einer freien Folge von Theater- bzw. von der Bühne inspirierten Stücken verschwammen die Grenzen zwischen komponiert und improvisiert, ohne zwanghaft zu werden. Ein Plädoyer für ein kulturelles Europa jenseits aller Heimatministerien.

Clemens Goldberg, kulturradio

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