Gautier Capuçon © Gregory Batardon
Gregory Batardon
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Konzerthaus Berlin - Gautier Capuçon

Bewertung:

Sein neues Album "Intuition" haben wir im kulturradio schon vorgestellt. Doch wer den französischen Cellisten Gautier Capuçon mal live erleben wollte, der war gestern im Berliner Konzerthaus an der richtigen Adresse.

Gautier Capuçon pflegt ein inniges Verhältnis mit seinem Cello. Fast liegt es auf ihm, wenn er den charmanten Verführer gibt. In Haydns C-Dur Konzert bestach nicht nur sein makelloser Klang, auch sein Gestsaltungswille und die tollen Dialog mit dem hellwachen Orchester de Chambre de Paris. Dass er dabei dem im Übrigen sehr guten Dirigenten Adrien Perruchon keines Blickes würdigte sondern im intensiven Flirt die Konzertmeisterin umgarnte, gab der Aufführung einen zusätzlichen Reiz.

Schneller Bogen und schnelle Finger

Herrlich singt er auch in der Méditation aus Massenets Oper Thais, unterstützt von seinem unglaublich sämig honigsüßen, millionenschweren Goffriller Cello. Nur der Vorteil dieses Instruments ließen ihn dann im Duo mit dem Solocellisten des Orchesters, Benoît Grenet, etwas überlegener scheinen. Der Cellist Giovanni Sollima drückt mächtig auf die sentimentale Tube in seinen "Vibrationen", aber das darf ja auch mal sein. Dass Capuçon über atemberaubend schnellen Bogen und Finger verfügt, wurde schließlich in David Poppers berüchtigtem "Elfentanz" hörbar.

Beachtliche Soli

Das Orchester hatte daneben noch einige Auftritte allein, die bei Rossinis "Scala di stau" Ouvertüre duftig den Ton trafen, und in der eigentlich verzichtbaren Jugendsinfonie Rossinis auch einige beachtliche Soli aufwiesen. Etwas wackliger erstaunlicher Weise dann das einzige anspruchsvolle Werk, Ravels "Pavane pour une infante défunte". Insgesamt empfahl sich aber auch der Dirigent Adrien Perruchon, von ihm wird man sicherlich noch hören!

Clemens Goldberg, kulturradio

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