Mark Padmore © Marco Borggreve
Marco Borggreve
Bild: Marco Borggreve

Philharmonie Berlin - Mark Padmore

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Als Artist in Residence bei den Berliner Philharmonikern stellt der Tenor Mark Padmore Schumanns "Liederkreis" den Liederzyklen von Janáček und Wigglesworth gegenüber.

Schumanns Liederkreis ist ein bewegendes Zeugnis der noch gefährdeten Beziehung zwischen ihm und Clara. Sie schreibt ihm Gedichte von Eichendorf, er komponiert die Vertonung und schickt sie zurück. Fast szenisch, packend und äußerst differenziert gestalten Mark Padmore und Ryan Wigglesworth diesen Zyklus. Dass es auch einmal ein Zuviel an Wortgestaltung geben kann ist äußerst selten. Hier gefährdete Padmores Sorgfalt den Flug der Seele in der "Mondnacht". Das sind aber minimale Einwände, seine Stimme berührt, ist mühelos in der Höhe, vielfarbig und wunderbar in den Übergängen

Zart und hinreißend

So sensibel und feinsinnig wie Wigglesworth begleitete ist auch seine Komposition über den Mythos der Nymphe Echo und ihres Liebhabers Narziss. Beide kommen nicht über sich hinaus. Wunderbar die verhinderten Dialoge mit Allison Cook. Sie ist ganz auf der gleichen Höhe der Interpretation wie Padmore. Die Damen des Vokalconsorts Berlin bezaubern ungemein. So zart und hinreißend wird hier gestorben und gescheitert.

Janaceks Vertonung einer entstehenden Liebe zwischen eigentlich unvereinbaren Kulturkreisen wird wegen des Aufwands mit Kammerchor und zwei Stimmen selten aufgeführt. Dabei ist es ein echtes Juwel. Auch hier gab Padmore sehr überzeugend die sich entwickelnden und widerstrebenden Gefühle des Bauernjungen wieder, während Cook die Zigeunerin vielschichtiger als der Text suggeriert gab. Solche Abende sind faszinierend und berührend. Warum nur wissen das immer noch nicht genug KonzertgängerInnnen, um den Kammermusiksaal mehr als 60% zu füllen?

Clemens Goldberg, kulturradio

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