Staatstheater Cottbus: Macbeth mit Jaco Venter (Macbeth); © Martin Müller
Martin Müller
Bild: Martin Müller

Staatstheater Cottbus - Giuseppe Verdi: "Macbeth"

Bewertung:

Wohl kaum eine Opernpremiere der letzten Zeit wurde mit solcher Spannung erwartet wie Verdis "Macbeth" am Staatstheater Cottbus.

Grund sind die eskalierenden Streitigkeiten zwischen dem Sängern und dem Orchester und Generalmusikdirektor Evan Alexis Christ, dessen Rücktritt die Mehrheit der Ensemblemitglieder forderten. Sogar über einen Ausfall der Premiere wurde kurz spekuliert – nun fand sie doch statt – ohne Evan Christ am Pult.  

Der Generalmusikdirektor wurde in letzter Minute durch den Ersten Kapellmeister Alexander Merzyn ausgewechselt, um die Spannung etwas zu entschärfen. Zu Beginn gab es statt des üblichen Höflichkeitsbeifalls langen frenetischen Applaus und Fußgetrampel. Eine Publikumsgeste, die dem Orchester galt und signalisierte: Wir haben Verständnis für eure Probleme, wir schätzen eure Arbeit, egal, was da hinter den Kulissen abläuft.

Dennoch deute ich das nicht als Stellungnahme gegen Evan Alexis Christ. Einhellig war beim Publikum in der Pause auf den Gängen nur Bedauern und Bestürzung zu spüren – und niemand stellt ja auch nur im mindesten Christs Talent und seine immense musikalische Bedeutung für Cottbus in Frage.

Elektrisches Fluidum

Trotzdem hat die Premiere nicht unter den Querelen gelitten. Im Gegenteil. Zum einen trug sie musikalisch noch die Handschrift Christs. Und der Erfolg des Abends hat sicher auch mit dem Werk zu tun. Verdis Macbeth hat sich eng an Shakepeares Vorlage orientiert. Es ist eine seiner aggressivsten, nervösesten und düstersten Opern überhaupt. Hier explodiert eine Menge an Gewalt- und Hass-Potential, garniert von zynischen Hexenchören.

Ich hatte das Gefühl, der ganze Frust des Streites hinter den Kulissen wurde am Samstag kanalisiert durch dieses Stück, die Energie entlud sich furios in der Musik. Und es entbehrt ja auch nicht einer gewissen Ironie, dass dies ein Stück über einen Königsmord ist. Alle spielten und sangen um Ihr Leben, der Sound des Orchesters war messerscharf wie ein Felsenriff im Gewittersturm.

In diesem hitzigen elektrischen Fluidum waren alle animiert, selbst Sänger in kleineren Rollen wie Tenor Jens Klaus Wilde oder Bass Ingo Witzke als Macduff und Banquo ragten überzeugend und leidenschaftlich in das Stück hinein, dem übergroßen Ehepaar Macbeth die Stirn bietend, ganz zu schweigen von einem Hexenchor in Bestform.

Das sinistre Verschwörerpaar selbst war sicher nicht ganz so involviert in den Streit – beide waren Gastsänger. Eine äußerst glückliche Wahl: der südafrikanische Bariton Jaco Venter, eine große offene Baritonstimme mit beeindruckendem Volumen und immenser Energie, wie geschaffen für Verdi und diese Rolle.

Ihm nicht ganz gewachsen war Sanja Radišić als Lady, die zwar in den dunklen und leisen Tönen immer wieder faszinierende Facetten aus der Rolle herausholte, aber die technischen Belcanto-Anforderungen zuweilen nur mit hörbarer Anstrengung gemeistert hat.

Staatstheater Cottbus: Macbeth mit Jens Klaus Wilde (Macduff) und Damen des Opern- und Extrachores (Hexen); © Martin Müller
Bild: Martin Müller

Zurückhaltende Regie – mit schrägen Einzelheiten

Die Regie war natürlich am Samstag der am wenigsten im Fokus stehende Aspekt. Und als hätte Schüler es geahnt, hat er hier diesmal eine seiner zurückhaltendsten und sparsamsten Inszenierungen seit langem vorgelegt. Die Figuren agierten meist auf leerer Bühne, nur mit wenigen Requisiten wie einem einzelnen Sessel oder ein paar Stühlen.

Trotzdem gab es viele gute, moderne Trickeffekte. Für Geistererscheinungen und Beschwörungsszenen nutzte Schüler Lichtprojektionen auf durchsichtiger Gaze, die sicher jeden Theatertechniker des 19. Jahrhunderts vor Neid hätten erblassen lassen.

Es fehlte auch diesmal nicht der gewisse Pfiff, den die guten Inszenierungen Schülers haben, sein inzwischen zur Handschrift gewordener ironischer Blickwinkel – ein witziger Einfall etwa war es, die Hexen auch in die weiblichen Chorparts zu integrieren, die im Original etwa der Hofgesellschaft vorbehalten sind.

Auch andere Details waren bei aller Schrägheit stimmig. Ich bin weiß Gott kein Freund von Sexualakten auf der Bühne, aber Verdis nachkomponierte zweite Arie der Lady als Monolog beim ehelichen Verkehr mit dem stummen Gatten zu zelebrieren, ist genial: Lady Macbeth als monströse Gottesanbeterin, die ihren schwachen Gemahl beherrscht ...

Matthias Käther, kulturradio

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