Schaubühne Berlin | Shakespeare’s Last Play © Gianmarco Bresadola
Gianmarco Bresadola
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Schaubühne Berlin - Shakespeare’s Last Play

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Nach den Stücken "Chekhov’s First Play" und "LIPPY", sowie "Hamnet" ist die irische Theaterformation Dead Centre nun zum vierten Mal in der Schaubühne zu Gast.

Es soll Shakespeares letztes Stück gewesen sein, bevor der Dramatiker drei Jahre später starb: "Der Sturm". Kein Wunder also, dass Regisseure die Hauptfigur, den Zauberer "Prospero", der am Ende das Regiment über seine Märcheninsel abgibt und den Zauberstab zerbricht, gern als Shakespeares Alter Ego und die Geschichte als seinen Abschied vom Theater inszenieren. An der Berliner Schaubühne hat sich jetzt das junge irische Regie-Duo "Dead Centre" an dieses Alterswerk gewagt.

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Überraschungsmomente

Ben Kidd und Bush Moukarzel beziehen das Stück nicht nur auf Shakespeare, sondern machen ihn sogar zum Spielleiter: Seine Stimme spricht aus dem Off zu den Zuschauern, verkündet, dass wir seinen letzten Worten lauschen. Dann fängt er an, sein Stück zu entwerfen. Eine charmante Idee: So kann er als Autor und als Prospero gleichermaßen sprechen, auch der ist ja eine Art Regisseur.

Ästhetisch ist das mit wunderbaren Überraschungsmomenten gespickt. Wenn vor Shakespeares innerem Auge die Insel entsteht, hebt sich im Globe Theatre der Schaubühne der leere Bühnenboden und legt eine herrlich kitschige Inselwelt frei, mit türkisfarbenem Wasser, pittoresken Felsen und einem Sandstrand aus Pappmaché.

Nur fünf statt der fast 20 Figuren im Original erschafft er für seine Zauberinsel. Mit seiner Allmacht entfacht er einen Sturm auf hoher See, so strandet am Ufer sein intriganter Bruder Alonso und dessen Sohn mit Gefolge. Prospero will sich an Alonso rächen, lässt dann aber doch lieber die zarten Gefühle seiner Tochter Miranda zum Prinzen aufkeimen.

Handlungsanweisungen aus dem Off

Während die Darsteller, darunter Thomas Bading und Nina Kunzendorf, einzelne Szenen mit amüsanten Brechungen anspielen, zeichnet die Videoprojektion einer Landkarte die Wege der Figuren auf. Von ihrem Startpunkt bis hin zum Ziel, als habe man die Route bei Google-Maps eingegeben. Und der Autor spricht aus dem Off die Handlungsanweisungen.

Das geht so lange gut, bis Jenny König in der Rolle der Miranda begreift, dass sie hier nur Erfüllungsgehilfin eines diktatorischen Plans ist. Der Sexszene mit Ferdinand, die Shakespeare für sie vorgesehen hat, widersetzt sie sich. Wie Mark Waschke als Ferdinand sie immer weiter bedrängt, weil er nicht aus seiner Rollenhaut kann, ist durchaus komisch.

Shakespeare wird gefleddert

Wegen Mirandas Widerstand vergeht Shakespeare allerdings die Lust an seiner Schöpfung. Völlig ungerührt lässt er alle Figuren sterben und die Insel in sich zusammenfallen. Doch wie autonome Wesen stehen die Spieler von den Toten wieder auf. Als das Wasser abfließt, legt der Meeresgrund (die nächste Überraschung!) den vermodernden Leichnam Shakespeares frei, noch notbeatmet. Jenny König dreht ihm kurzerhand den Strom ab und beginnt, die Leiche zu zerhacken und zu verspeisen. Eine so blutige wie grotesk humorige Angelegenheit.

Shakespeare wird gefleddert – das soll wohl bitterböse sein, doch es entspinnt sich in diesem zweiten Teil nichts als eine abgestandene Zeitgeist-Debatte. Jenny König fragt, ob man in diesen stürmischen Zeiten überhaupt noch diese ollen Shakespeare-Stücke spielen kann. Was habe Hamlet oder Othello denn bitte mit ihr zu tun? Man möchte den Regisseuren glatt einen Besuch in der "Hamlet"-Inszenierung des Hausherrn Thomas Ostermeier nahelegen – seit Jahren weltweit gefeiert, immer ausverkauft. Mit unserer Welt hat sie weit mehr zu tun als das, was Dead Centre hier auffahren.

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Ein Pennälerscherz?

Bei allem spielerischen Szenenfeuerwerk arbeiten sich Dead Centre hier erstaunlich verbissen an Shakespeare als vermeintlichen Säulenheiligem ab, der jetzt vom Thron gestoßen werden müsse. Als hätte die Postmoderne in den vergangenen 30 Jahren das nicht schon mit jedem großen Dramatiker ohnehin getan. Denn wie sieht es heute auf den Bühnen aus? Ob Recherche- und Dokutheater, Stücke über Gender, Flüchtlinge und Rechtspopulismus – alles ist im Überfluss vorhanden. Und niemand hindert auch die Iren, ihr eigenes Stück der Stunde beizusteuern.   

Sich jetzt Shakespeare ironisch vorzuknöpfen, um zu beweisen, wie unzeitgemäß er in Wahrheit sei – das kommt kaum über einen Pennälerscherz hinaus. 

Barbara Behrendt, kulturradio

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