Cuarteto Casals; © Igor Cat
Igor Cat
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Kammermusiksaal - Cuarteto Casals

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Seit seiner Gründung vor über zwanzig Jahren in Madrid hat sich das Cuarteto Casals zu einem der herausragenden Streichquartette entwickelt. Tourneen rund um die Welt brachten dem Ensemble begeisterte Kritiken ein. Gestern waren die Musiker mal wieder im Kammermusiksaal zu Gast.

Eine Tournee mit allen Beethoven Streichquartetten ist für alle Beteiligten ein großes Erlebnis. Die Quartette sind immer noch ein Gradmesser für die letzte Qualität eines Quartetts. Und für die Hörfähigkeit des Publikums! Ob es dabei klug ist, eine erste Konzerthälfte eine Stunde und zwanzig Minuten dauern zu lassen? Aber faszinierend war es allemal.

Radikale Modernität

Auf der Tournee und mit der 20-jährigen Geschichte ihres Ensembles haben die vier eine Freiheit und eine Souveränität erlangt, die doch niemals routiniert oder abgeklärt klingt. Da können sich auch leichte Zeitverschiebungen ergeben, die anfangs irritieren, dann aber gerade zu dem ganz freien Musizieren beitragen.

Wie schwerelos und leicht die verwickelte Unterhaltung des op. 18,5 (viel zu selten zu hören!) doch klingen kann, wie tief empfunden der überraschend traurig abgründige langsame Satz des Harfenquartetts, wie unfassbar jenseitig das op. 127 auch heute noch zeitgenössisch und modern klingt! Was müssen die zeitgenössischen Komponisten verzweifelt sein angesichts solcher radikalen Modernität, an die sie nie heranreichen.

Sonderstellung bestätigt

In jedem Fall bestätigte das Quarteto Casals eine Sonderstellung innerhalb der inzwischen reichen Quartettkonkurrenz. Da ist es doch eigentlich toll, als heutiger Komponist zu einem solchen Programm ein neues Stück beizutragen. Lucio Franco Amanti entschied sich für einen harmlosen Spaziergang vom Strand zum Balkon, auf dem das Harfenquartett aufgeführt wird. Allerlei Zitate und der Titel ReSolUtiO (mit versteckten Tonsilben) täuschten eine Tiefe vor, die leider nicht eingelöst wurde. Das ist hübsch, aber auch belanglos.

Das Publikum quittierte es mit dankbarer Begeisterung. Angesichts diesesr Reaktion mag man sich fragen, wie viel positive Irritation in den gleichen Köpfen entstanden war.

Clemens Goldberg, kulturradio

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