Pierre Boulez Saal, die Akustik Elemente © Carsten Kampf
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Pierre Boulez Saal - "Wiener Schule" – Mitglieder der Wiener Philharmoniker

Bewertung:

Das Gedicht "Verklärte Nacht" von Richard Dehmel inspirierte Arnold Schönberg zu seinem gleichnamigen Streichsextett. Gestern erklang das Werk zusammen mit und Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Anton Bruckner im Pierre Boulez Saal und auf der Bühne standen Mitglieder der Wiener Philharmoniker.

Die Wiener Philharmoniker treten uns gewöhnlich als höchst diszipliniertes, allen individuellen Eskapaden gegenüber abholdes Ensemble entgegen. Da ist es schon spannend, sechs einzelne Musiker ganz individuell kammermusikalisch zu erleben. Allerdings merkt man sofort, dass Intonation, Streicherklang und Homogenität eben doch ganz eigen sind und nicht wie bei einem existierenden Streichquartett.

Ein beeindruckender, bewegender Abend

In Mozarts frühem Mailänder Quartett dominierte wie im Orchester der Primarius Rainer Honeck, der Stil wie bei den Philharmonikern leicht sentimental, sehr lebhaft und auf diese etwas in die Jahre gekommene Art auch wieder sehr anrührend.

Bruckners Streichquintett berührte dann durch seine Entstehung. Es ist sein einziges Kammermusikwerk und Zeugnis einer Schaffenskrise. Ganz zart, nur selten sinfonisch auftrumpfend. Bruckners Revisionsarbeiten an mehreren Sinfonien weht in diese Musik hinein. Wunderbar frei, hoch sensibel und gegenseitig aufmerksam wurde hier musiziert.

Die gute Intonation kam auch Schönbers Sextett "Verklärte Nacht" sehr zugute. Aber viel mehr wurde noch erreicht: Anspielung der dem Werk zugrunde liegenden Geschichte eines Geständnisses des Fremdgehens, ohne dass es zu reiner Schilderung kam. Viel Atmosphäre, erotische Spannung und Entspannung, Wiener Dekadenz auch ein wenig. Ein beeindruckender, bewegender Abend.

Clemens Goldberg, kulturradio

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