Lisa Batiashvili; Foto: © Samy Hart/DG
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Philharmonie Berlin - Das DSO mit Lisa Batiashvili und Robin Ticciati

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Natur wird zum Klang bei der schottischen Komponistin Helen Grime und ihrem Orchesterstück "Virga". Gestern war es beim Konzert des DSO unter der Leitung von Robin Ticciati zu hören. Außerdem standen Antonín Dvořáks "Legenden" und Brahms' Violinkonzert mit Lisa Batiashvili auf dem Programm.

Es raunt, raschelt, tanzt, flüstert, singt, ahnt in Dvořáks zehn Legenden, die man sehr selten insgesamt und eine Konzerthälfte füllend zu hören bekommt. Es ist eine ideale Musik für Robin Ticciati und das DSO. Fließen und Schweben einerseits, aber doch auch sehr charakteristische kleine Szenen andererseits. Gerade weil so liebevoll und differenziert musiziert wurde, waren dann zehn Stücke dieser Art zu viel des Schönen, auf Dauer verlieren die einzelnen Stücke, weil niemand alle diese Details im Gedächtnis behalten kann.

Viele Farbwirkungen

Eigentlich hätte Helen Grimes Studie über die Regenwolken und den feinen Regen ("Virga") perfekt zu Dvořák gepasst, aber das Stück wurde vor den anschließenden Brahms geschoben, wohl weil man ahnte, dass es zu viel geworden wäre. Das Stück ist kompetent komponiert mit vielen Farbwirkungen, aber wirklich inspiriert ist es nicht, es bleibt eine flüchtige Erfahrung. Es ist auch Ausdruck eines Auftragsmarktes, bei dem eine Komponistin nicht wirklich warten kann, bis ihr ein Geistesblitz kommt. Das wird dann mit Handwerk ausgeglichen.

Fast unerträglich schön

Lisa Batiashvili ist eine Urgewalt auf der Bühne, konzentrierte Energie und trotzdem auch feinhörige Spontaneität. Anfangs stellt sie das Orchester mit der Energie fast in den Schatten. Dann entwickelt sich ein gerade bei den oft unterprobten Instrumentalkonzerten seltenes Phänomen: echter Dialog, fast improvisiertes Nachsinnen mit gespannt reagierenden Musikern.

So wirkt der oft gehörte Klassiker Brahms plötzlich ganz neu und spannend. Im zweiten Satz überbieten sich Solo-Oboistin Viola Wilmsen und Batiashvili an fast unerträglicher Schönheit und Innigkeit. Und im vor Lebensfreude aus allen Nähten platzenden Finale trauen sich das Orchester und sein Dirigent das gleiche Energielevel zu wie die Solistin.

Clemens Goldberg, kulturradio

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