RIAS-Kammerchor
Matthias Heyde
Bild: Matthias Heyde

Konzerthaus Berlin - Akademie für Alte Musik und RIAS Kammerchor

Bewertung:

Es ist Haydns längste und umfangreichste Messe, die Missa Cellensis, bekannter unter ihrem Beinamen "Cäcilienmesse". Gestern wurde das Werk mit der außergewöhnlich großen Orchesterbesetzung aufgeführt.

Was muss das für die ländlichen Pilger in Mariazell für ein Erlebnis gewesen sein, allein für Kyrie und Gloria einer Festmesse 40 Minuten prächtiger, vielfältiger Musik hören zu können! In Ansätzen war das auch uns vergönnt, die wir ja Musik heute all überall hören können.

Dieses Frühwerk Haydns (1766) arbeitet noch mit viel konventionellem Material, er arrangiert es aber sehr gekonnt und lässt im "qui tollis", der Beschwörung unserer Sünden, schon viel Späteres aufscheinen.

Justin Doyle verhilft dieser Musik zu wunderbarer Transparenz und tänzerischer Eleganz, zu feinsten Farbschattierungen. Hier ist mit dem RIAS Kammerchor in einem Jahr schon viel gewachsen. Auch die Akademie für Alte Musik spielte bemerkenswert duftig und elegant, fügte sich feinnervig und hellhörig in das Ganze ein.

Man könnte über eine Pause in einer Messe die Nase rümpfen, hier ist sie aber sinnvoll, denn die restlichem Messsätze sind Jahre später entstanden, aus der Mariazeller Messe wird die Cäcilien-Messe. Viel konzentrierter, revolutionär ausdrucksstark wird dieses Musik.

Dass dies ganz hautnah und ergreifend klar wurde, verdankt sich einem ausgezeichneten Solistenquartett. Kein Drücken, Pressen oder Schreien, keine übertriebene Lautstärke, endlich.

Akademie für Alte Musik Berlin; © Uwe Arens
Bild: © Uwe Arens

Anregend und bewegend

Herausragend der Bass Wolf Matthias Friedrich, seine Gestaltung ist zwar an der Grenze des Manierierten, aber trotzdem sehr wahrhaftig. Sophie Harmsen steuerte noch eine Solokantate des Wiener Haydn-Kollegen Reuter bei, ein gänzlich konventionell virtuoses Werk, aber mit herrlicher Leichtigkeit und schauspielerischem Anteil von der Solistin serviert. Ein aufschlussreicher, anregender und oft auch bewegender Abend

Clemens Goldberg, kulturradio

Weitere Rezensionen