Vladimir Jurowski © Simon Pauly
Simon Pauly
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Philharmonie Berlin - Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Vladimir Jurowski

Bewertung:

Mozarts "Figaro" wurde vom Prager Publikum so begeistert aufgenommen, dass er sich 1787 mit einem Konzert bedankte, bei dem er seine neue D-Dur-Sinfonie präsentierte.

Mozart ist ein moderner und radikaler Komponist - endlich so zu hören, wenn Vladimir Jurowski und das RSB gemeinschaftlich diesen Krimi "Prager Sinfonie" aufführen. Samt der Wiederholung der zweiten Hälfte des ersten Satzes wird die Sinfonie ein 42 minütiges Drama und kein nettes Salzburger Leckerli. Die langsame Einleitung sucht in Länge und Spannung ihresgleichen, die dramatischen Schnitte nehmen Filmtechniken vorweg.

Zur Zeit des Figaro ahnt Mozart schon Don Giovanni. Im langsamen Satz wird das verschlungene Liebesthema mit barschen Bläserakkorden konterkariert. Und halsbrecherisch ist das Finale, voller Fechtszenen. Man spürt Jurowskis Zeit beim Orchestra of the Age of Enlightenment.

Camilla Nylund gibt ihr Debüt als Kaiserin in "Die Frau ohne Schatten"; © Hans Ackermann
© Hans Ackermann | Bild: Hans Ackermann

Betörende Atmosphäre

Das Liebespaar in Zemlinskys "Lyrischer Sinfonie" singt nie zusammen und kommt höchstens im Traum zusammen. Es ist eine tragische Entfernung. Zu Beginn wird noch zu kompakt und laut musiziert, selbst Matthias Goernes enormer Bariton hat Mühe durchzudringen und wahre Emotion zu entwickeln.

Dann besticht Camilla Nylund durch enorme Sprachgenauigkeit und zunehmender Innerlichkeit. In der Nachtszene erreichen dann Orchester und Solistin betörende Atmosphäre einer Liebesnacht. Und doch muss diese Nähe sofort wieder aufgegeben werden. Immer faszinierender werden die Spannungen und Widersprüche der Liebe dargestellt. Zweifelt man anfangs noch am Stück selbst, so wird es ein überzeugendes Plädoyer

Clemens Goldberg, kulturradio

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