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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci | Friedenskirche - Grenzenlos Europa! Eröffnung mit Europa Galante

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Die Komponisten des 18. Jahrhunderts waren international gefragt beim Publikum von Porto bis St. Petersburg. Zur Eröffnung der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci fängt das italienische Ensemble Europa Galante diesen musikalischen Zeitgeist ein.

Während wir heute um die Welt reisende Künstler normal und beeindruckend finden, möchten immer mehr auch gebildete und kulturell interessierte Menschen gerne die Grenzen abdichten. "Grenzenlos Europa" ist deshalb durchaus ein politisches Statement dieser Festspiele im letzten Jahr der so inspirierenden Leitung von Andrea Palent.

Auch der Gedanke, in einzelnen Kapiteln die Migration von Komponisten und Musikern im Europa des 18. Jahrhunderts spürbar werden zu lassen, war ein faszinierender programmatischer Gedanke. Hierbei wurden sogar die Werkgrenzen zugunsten einzelner Sätze aufgebrochen und neu kombiniert. Es erfordert allerdings hohe Differenzierungskunst und vermutlich auch einen mehr als gewöhnlichen Übeaufwand auch bei einem Ensemble wie Europa Galante.

Fabio Biondi ist die alles beherrschende Figur des Ensembles – nicht immer zu dessen Vorteil. Er steht unter Hochdruck, was ihn z. B. in Sätzen von Violinkonzerten oft davoneilen lässt und alles niedermäht, was sich um ihn herum tun könnte.

Die vorherrschende Lautstärke ist mindestens forte, alles Zarte, Innige, Intime, wirklich Emotionale ist ihm offenbar fremd. So geraten die Unterschiede von französischem und italienischem Stil bei Mascitti und Leclair unter die Räder des Dauerhochdrucks. In Händels langsamem Satz aus der Sonata a 5 B-Dur wäre mal Gelegenheit zur tiefen Empfindung gewesen. Aber dazu muss man auch mal eine Phrase aufbauen und loslassen können.

Nah am Stil des Ensembles liegen pittoreske Szenen aus Balletten oder Nationalstil-Karikaturen. Aber auch hier wird fast jede Kadenz gedonnert und mit Schlägen versehen, viele Akzente sind unvermittelt herausgepeitscht.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie Europa Galante Anfang der Neunzigerjahre den etwas betulicheren Barockstil anderer Ensembles aufmischte. Das ist im Europa der differenzierten Sprachen (Voraussetzung, um sich wirklich schätzen zu lernen) nicht zielführend.

Clemens Goldberg, kulturradio

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