Euskal Antiqva; © Noak Shaye
Noak Shaye
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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci | Orangerieschloss - Baskisch heißt Euskal

Bewertung:

Was die Region Baskenland von allen anderen Regionen der Welt unterscheidet, ist die Sprache. Sie ist mit keiner anderen Sprache der Welt verwandt. Auch manches Instrument, etwa eine Art Psalterium, das mit einem Bogen geschlagen wird, findet man kaum irgendwo sonst.

In der Musik, die das Euskal Barockensemble im Raffaelsaal spielte, kann man allerdings keinerlei Alleinstellungsmerkmale feststellen. Die Improvisationstechniken, die Tänze, die Melodien (aufgezeichnet im 16. und 17. Jahrhundert) sind Teil einer internationalen Tradition, die in der Tat grenzenlos europäisch ist und nicht abgrenzend regional.

Die 75 Minuten Musik ohne Pause waren eine Art fließende Session, die nur bedingt mit den Stücken im Programmheft zu tun hatte. Das macht den besonderen Reiz des Ensembles aus. Man meint, dass hier sicher jedes Mal ganz spontan musiziert und improvisiert wird.

Die Stimmen des Ensembles pflegen einen natürlichen, nicht vom Kunstgesang und von Gesangserziehung getrübten Stil. Das ist besonders anrührend und dem Repertoire angemessen. Viel wird verziert und improvisiert, aber der Leiter des Ensembles, Enrike Solinis, ist doch eine Klasse für sich. Seine freien Einleitungen und Überleitungen auf der Barockgitarre und der Laute bleiben im Gedächtnis.

Ein inspirierender Abend, der viel für eine mediterrane Kultur sprach und nicht für die zu Teilen konstruierte kulturelle Identität einer Region.

Clemens Goldberg, kulturradio

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