Berliner Philharmoniker; © BPh/Stefan Höderath
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Philharmonie Berlin - Simon Rattle und Krystian Zimerman mit Bernsteins Zweiter Sinfonie

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In Bernsteins 2. Sinfonie "Age of Anxiety" begeben wir uns auf eine Reise der psychoanalytischen Selbsterkundung. Und der Suche nach dem Sinn des Lebens nach dem 2. Weltkrieg.

Leonard Bernstein selbst ist im solistischen Klavier präsent. Krystian Zimerman und die Philharmoniker spielen leidenschaftich und vielfarbig, Simon Rattle ist engagierter Anwalt für dieses Stück. Man kann die ehrlichen Gefühle des Komponisten spüren, seine Suche und Gespaltenheit.

Allerdings sind die musikalischen Sprachmittel sehr eklektisch, wie immer bei Bernstein, aber eben auch etwas in die Jahre gekommen. Vor allem der religiös triumphale Schluss stört gewaltig.

Ohrhäppchen

Simon Rattle ist die "Tapas"-Idee zu verdanken, Kompositionsaufträge an zeitgenössische Komponisten für kurze, aber eindrückliche Stücke zu vergeben. Magnus Lindbergs "Agile" verbleibt sehr in handwerklicher Routine, Brett Dean knüpft in "Notturno inquieto" an Bernstein an, aber auch hier sind die Traumsequenzen erwartbar.

Richtig packend ist dagegen Andrew Normans "Spiral": Eine Klangspirale, die uns regelrecht in den Weltraum zieht.

Die Abteilung Waldbühne bringt entsprechend unterhaltsame Musik für eher schlichte Gemüter. Aber effektvoller kann man Scott Bradleys Musik zu "Tom and Jerry" nicht spielen, schöner den Kitsch Korngolds zu Robin Hoods Abenteuern nicht servieren.

Es ist ein typischer Rattle-Abend, an dem wir nicht zu letzter Herausforderung genötigt werden, der das Orchester brillieren lässt. Und an dem dann auch bewusst wird, dass diese Art Musik und gestaltete Abende wohl mit Rattle Geschichte sein werden.

Clemens Goldberg, kulturradio

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