Clara-Jumi Kang © Marco Borggreve
Marco Borggreve
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Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal - Spectrum Concerts Berlin: Saison-Abschlusskonzert

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Vor 30 Jahren hat Frank Sumner Dodge die Spectrum Concerts Berlin ins Leben gerufen. Nun geht die 30. Saison zu Ende. Gestern war das Saison-Abschlusskonzert mit Werken von Erich Wolfgang Korngold und Sergej Iwanowitsch Tanejew im Kammermusiksaal.

Es gibt so etwas wie den "Spectrum spirit" - eine unbedingte Leidenschaft für Kammermusik, ein unglaublich hellhöriges gemeinsames Musizieren, der Einsatz für vernachlässigte Werke vor allem des 20. Jahrhunderts. Dieses Mal wurde ein nachdrückliches Plädoyer für Erich Wolfgang Korngold abgelegt

Sein Klavierquintett ist ein Wunder an Durchhörbarkeit, an bildlichen und emotionalen Atmosphären. Die Balance zwischen Klavier (Eldar Nebolsin) und dem Streichquartett (Clara-Jumi Kann, Boris Brovtsyn, Fareth Lübbe und Thorleif Thedéen) ist perfekt komponiert und wurde mustergültig von den Musikern umgesetzt. Manche Länge des Werkes war in dieser Interpretation kaum spürbar, so faszinierende sind dann doch die Instrumentierung und Kombination der Klänge.

Brovtsyn und Nebolsin servierten wienerisch und sensibel die parodistischen Miniaturen Korngolds zu Shakespeares "Viel Lärm um Nichts", aber auch die aparte Atmosphäre mit leichtem Kitsch-Anteil in der Gartenszene. Auch hier war die wirkliche kammermusikalische Kommunikation faszinierend.

Sergei Tanejew war wohl ebenso begabt wie Korngold, aber bei ihm ist der Arbeitsanteil der Komposition viel spürbarer. Die Schreibart ist viel dichter und satter, nicht immer zum Vorteil des Werkes. Auch hier half die Interpretationsintensität über die Längen des ersten Satzes. Wirklich lohnend wird dieses Stück vor allem durch das hoch virtuose Scherzo und vor allem das Largo mit seinem unerbittlichen Passacaglia-artigen Grundbass. Die Stille nach diesem Satz sprach für sich.

Diese Reihe verdient mindestens so viel Publikum wie die Kammermusikreihe der Philharmoniker, die mehr mit Namen als mit vergleichbarer Leistung zieht. Die Neugier, der Wagemut und das spielerische Niveau von Spectrum Concerts sucht in Berlin seinesgleichen.

Clemens Goldberg, kulturradio

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