Kammeroper Schloss Rheinsberg Wolfgang Amadeus Mozart: Cosí fan tutte © imago/Martin Müller
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Kammeroper Schloss Rheinsberg - Wolfgang Amadeus Mozart: "Cosí fan tutte"

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Zwei Männer wollten die Treue ihrer Geliebten austesten. Sie hauen ab, kommen verkleidet zurück und flirten mit der jeweils anderen. "Così fan tutte" ist eine der meistgespielten Mozart-Opern. Nun ist sie in Rheinsberg in der Inszenierung von Arila Siegert zu sehen.

Mozarts Oper ist nicht einfach auf die Bühne zu bringen. In inszenatorischer Hinsicht, also wie macht man diese Vierkonstellation so lebendig, dass sie über zwei lange Akte trägt, ohne langweilig zu werden. Und auch in musikalischer Hinsicht: Es gibt darin eine ganze Reihe hochvirtuose Arien und auch der Orchesterpart birgt einige Klippen. Also keine leichte Aufgabe, die sich Regisseurin Arila Siegert und der musikalische Leiter Ivo Hentschel vorgenommen haben.

Ein ausgefeiltes Regiekonzept nicht zu erkennen

Arila Siegert schreibt im Programmheft, dass sie in ihrer Inszenierung zeigen möchte, wie die beiden Frauen Dorabella und Fiordiligi sich von der Unterdrückung durch die Männer freimachen. Dazu ändert sie die ursprüngliche Handlung von Librettist da Ponte und lässt die beiden Frauen die Männer dabei belauschen, wie sie ihren Plan aushecken. Sie wissen also von Anfang an Bescheid, dass sie angelogen werden und sie spielen das Spiel als selbstbewusste, emanzipierte Frauen einfach mit. Will heißen: Alle Protagonisten machen auf Komödie. Am Schluss, heißt es ja im Libretto, siegt dann die Vernunft. Das heißt also in der Lesart von Arila Siegert, dass die Komödie aufhört und alle vier "sich wieder in der Gewalt" haben.

Ein ausgefeiltes Regiekonzept von Arila Siegert war jedoch nicht zu erkennen. Im Grunde erzählt sie nur die Geschichte und das mit eher wenig Personenführung, es war über weite Strecken dann doch eher langweilig. Zum Glück reichert sie die Handlung aber dadurch an, indem sie die Protagonisten und den Chor immer wieder choreographisch agieren lässt. Die gehen mal mit Degen aufeinander los oder sie stellen nur durch Bewegungen ein Schiff im Sturm dar. Das waren ganz eindrückliche Bilder, die in Verbindung mit dem Abendrot am Himmel und dem See im Hintergrund eine enorme Wirkung entfalteten. Zumal wenn dann noch ein Schwarm Schwalben über die Szenerie flog. Aber letztlich waren das doch nur punktuelle Momente, die das wenig inspirierte Regiekonzept nicht viel spannender machten. Zumal auch die Ausstattung eher dürftig war: Ein paar weiße, schlichte Möbel, die an ein schwedisches Möbelhaus erinnerten.

Zusammengewürfelt

Die Leistungen der jungen Sängerinnen und Sänger waren besser. Sie wurden im Vorfeld des Festivals durch einen Gesangswettbewerb ermittelt. Dieses zusammengewürfelte Ensemble hatte durchweg hohes Niveau. Alle sechs Protagonisten könnten in jedem Fall an einem deutschen Stadttheater einen guten Eindruck machen. Der koreanische Tenor Jaeil Kim in der Partie des Ferrando begeisterte das Publikum sehr, bekam mehrmals starken Szenenapplaus.

Mich hat er allerdings nicht hundertprozentig überzeugt, mir war sein tenorales Timbre bisweilen zu obertonreich, zu spitz. Das merkte man besonders in der bekannten Arie "Un aura amorosa". Dagegen eine echte Entdeckung war Cathi-Di Zhang, eine australische Sopranistin mit chinesischen Wurzeln als Fiordiligi. Sie hat ein lyrisches Timbre mit großer Wärme und viel Substanz, da blieben keine Wünsche offen, was die Gestaltung der Partie anging.

Ivo Hentschel ist der Glanzpunkt des Abends

Der absolute Star des Abends war für mich allerdings das Orchester, die Kammerakademie Potsdam unter Leitung von Ivo Hentschel. Sie ist ein Mozart-Orchester par excellence, die Musiker wissen genau, wie man mit dieser Partitur umgeht. Die Holzbläser haben an einigen Stellen mehrfach Gänsehaut ausgelöst! Und Ivo Hentschel am Pult hat die Potenzen dieses großartigen Orchesters wunderbar geweckt, den Klang fein austariert, so dass die Sänger optimal in Szene gesetzt wurden. Im ersten Akt gibt es dieses ganz wunderbare Terzett "Soave sia il vento ". Und da hat er einen Steicherteppich darunter gezaubert, das war berückend schön und das in Verbindung mit dem warmen Holz - so muss Mozart klingen!

Fazit: Die Inszenierung von Arila Siegert eher durchschnittlich,  das Sängerensemble gut - mit einer besonderen Entdeckung - und das Orchester, die Kammerakademie Potsdam unter Ivo Hentschel der Glanzpunkt des Abends!

Claus Fischer, kulturradio

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