MIAGI Youth Orchestra; © Kai Bienert | MUTESOUVENIR
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Konzerthaus Berlin | Young Euro Classic 2018 - Eröffnungskonzert mit dem MIAGI Orchestra

Bewertung:

Schon zum dritten Mal in Berlin, weiß man, wen man sich mit dem MIAGI Orchestra aus Südafrika eingeladen hat.

Der Name steht (als Abkürzung) für: "Music Is A Great Investment". Das Orchester verkörpert damit genau jene Philosophie der Musik (und Musikerziehung), die außerhalb Europas einen vorbildhaften Siegeszug angetreten hat. Sie steht sinnbildlich auch für den Ansatz auch von Young Euro Classic.

Überraschend, wie sich das teilweise schon am Vorabend zu hörende Programm anders mischt und umsetzt. Es bleibt dabei, dass das südafrikanische Orchester, obwohl viele Impulse von den Blechbläsern ausgehen, alles aus einer Fähigkeit zur Leisheit, zum Pianissimo hervorgehen lässt. Manchmal, so bei Beethovens "Egmont"-Ouvertüre, scheinen die Musiker gleichsam die Beine hochzulegen, so sehr schön lässt man es laufen.

Bei Strawinskys "Feuervogel", eigentlich Tanzmusik, bleibt der Rhythmus so sehr "unterm Teppich", dass der Schlag – auch weil Dirigent Duncan Ward große Tempofreiheit lässt – wie aufgelöst scheint. Das Ganze gerät wunderlich ins Schwimmen.

Man spürt, dass die Musiker die Werke vor allem aus der Praxis des eigenen Musizierens kennen – so wie es früher üblich war, als es noch keine Schallplatten gab. Das mag täuschen, unterstreicht aber den Eindruck, dass Deutungen bei "Young Euro Classic" oft freier, mutiger, radikaler ausfallen.

Aufstehen und tanzen

Auch Bernsteins "Prelude, Fugue & Riffs" gerät grooviger, funkiger, jamsessionhafter. Ich hatte erwartet, dass Duncan Wards eigene "Rainbow Beats" danach derb abfallen würden, da das Werk ziemlich "bernsteinesk" daherkommt. Der Dirigent (und Komponist) tanzt hier mehr als dass er dirigiert. Während wir ihn uns als Dirigenten merken sollten (Wenn der nicht eine ganz große Chance kriegt, dann weiß ich auch nicht ...!), bleibt sein Werk eher melodienschwach und epigonal, bringt die Stärken der Musiker indes pädagogisch effektvoll zur Geltung. Alle dürfen singen, aufstehen und gleichfalls tanzen.

Bemerkenswert auch, dass bei Young Euro Classic einer ursprünglichen Funktion von Konzerten ihr Sinn zurückgegeben wird: Das Publikum "liebt zurück". Man ist nicht unbedingt erschienen, um sich ein Kunsturteil zu bilden. Sondern um Musik mit Zuneigung zu vergelten. Klingt kitschig. Ist aber bedeutsam. Besser geht's nicht.

Kail Luehrs-Kaiser, kulturradio

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